Die Buchpreisbindung ist mehr als ein ordnungspolitischer Sündenfall. Mit der Buchpreisbindung soll dem Untergang Geweihtes, gerettet werden.

Kulturgut Buch

Früher, lange bevor die digitale Revolution die Welt verwüstete, da gab es noch Buchhandlungen.
Buchhandlungen waren Vorposten des Geistes in der Welt des schnöden Mamons. In den Buchhandlungen wohnten wunderliche Gestalten, die anhand von dicken Büchern die Welt erklären konnten. Oder es zumindest versuchten.
Gute Buchhandlungen war etwas Spezielles. Meist verstaubt, dunkel und moderig.
BuchhändlerInnen waren besondere Wesen. Sie trugen verbeulte Hosen und sahen verschwurbelt aus. Da da die politische Korrektheit noch nicht erfunden worden war, taten sie etwas Ungeheuerliches - sie rauchten Tabak in ihrem Lokal.
Wer vor 30 Jahren in eine Buchhandlung ging, konnte auf kompetente Beratung hoffen. Damals hatten die BuchhändlerInnen das Denken noch nicht verlernt. Kaum hatten sie die Frage verstanden – dass dauerte meistens nicht sehr lang – zauberten sie ein Buch aus einem verstaubten Regal hervor. Ein Buch, das Fragen beantwortete. Ein Buch, dass das Denken schulte.

Die Welt des iPhones-Neandertalers

Heute ist natürlich alles besser als im letzten Jahrtausend. Der moderne Mensch muss nicht mehr nachdenken. Was der moderne Mensch nicht weiss, dass weiss die Schwarmintelligenz im Internet. Fragen der Moral und des Anstands handelt die Regenbogen-Presse ab. Damit Denken und Gewissen geschont ruhen dürfen, helfen bunte Bilder in den unentgeltlichen Off- und Online Medien weiter.
Die wenigen Buchhandlungen, die die Digitale Revolution überlebt haben, haben nichts mehr mit Studierstuben von einst gemein.
Auf mehreren Stockwerken sind glänzende Bücher mit vielen bunten Bildern verteilt. Der moderne Mensch verlangt nach intellektuellem Fastfood. Kurze Sätze – Und ja keine Schachtelsätze. Alles, was länger als 15 Worte ist, versteht der Digital Native nicht.
Thematisch ist der Horizont des iPhones-Neandertalers eng. Orgasmus-Berater, Schnell-Reich-Fibeln, Schlankheitsratgeber und Bilderbücher für Windows-Dummys bevölkern die Regale.
Das Kulturgut Orgasmus-Ratgeber hat den Deutschen Idealismus und die Griechische Klassik verdrängt.
Aufgelockert wird das Buchangebot mit Gewalt-Games und Yogamatten. Und wo sich die geistige Elite trifft, da darf ein Kaffe mit WiFi nicht fehlen.

Retten wo es Nichts mehr zum retten gibt

Für die DetailhändlerInnen die sich an das Verkaufsdesk verirrt haben, ist Leibnniz ein Keks und Adorno ein italienischer Schaumwein.
Da die Menschheit zum Glück noch nicht ganz verblödet ist, rentieret dasjenige, was dem Konsumenten unter dem Begriff Buchhandlung zugemutet wird, zum Glück nicht.
Wenn in der modernen Welt etwas nicht rentiert, dann wird nach Vater Staat gerufen – am Geschäftsmodell kann es natürlich nicht liegen.
Also muss eine Buchpreisbindung her. Nicht mehr die Qualität, nicht mehr die Aufmachung des Angebots, sondern der Sozialismus soll das Geschäft retten.
Was für Landwirte, Fluggesellschaften und die Bankster gilt, soll auch für den Unterhaltungsbrunz gelten.
Die Buchpreisbindung ist mehr als ein ordnungspolitischer Sündenfall. Mit der Buchpreisbindung soll dem Untergang Geweihtes, gerettet werden.
Darum NEIN zur Buchpreisbindung!

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