Ferieninitiative bedroht Arbeitplätze und Wohlstand

Travail.Suisse fordert “6 Wochen Ferien für alle“ – und würde die Schweiz damit europaweit an die Spitze der Ferienansprüche katapultieren. Was für den Einzelnen verlockend klingt, schadet den kleineren und mittleren Betrieben. Wird die Initiative angenommen müssen die Unternehmen jährlich 6 Milliarden Franken mehr an Arbeitskosten berappen. Leidtragende sind in erster Linie Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden. Sie bilden mit 88 Prozent die Grundpfeiler unserer volkswirtschaftlichen Struktur, Bereits heute sind sie durch den starken Franken gefordert, und müssen im internationalen Vergleich die höchsten Lohnkosten tragen. Für sie wird die Forderung nach mehr Ferien zur Existenzfrage – und damit zum Risiko für Arbeitsplätze und Wohlstand.

Der Schweizer Wirtschaft bläst ein rauer Wind entgegen. Beinahe täglich berichten die Medien von Turbulenzen an den Finanzmärkten, steigender Arbeitslosigkeit oder Sofortmassnahmen zu Stützung des Euro. Eine Entspannung in naher Zukunft ist nicht in Sicht. Die kleine Schweiz hat sich trotz schwierigen Zeiten im internationalen Vergleich bisher erstaunlich krisenresistent gezeigt. Unsere Steuern sind moderat, unsere Verwaltung vergleichsweise unbürokratisch und leistungsfähig, die Rechtssicherheit hoch. Neben diesen Faktoren spielt vor allem die von kleinen und mittleren Unternehmen geprägte Wirtschaftsstruktur eine wichtige Rolle. Die Schweiz ist ein KMU-Land, zwei Drittel der Bevölkerung arbeitet in einem Betrieb mit weniger als 250 Mitarbeitenden. Diese KMU sichern Arbeitsplätze, Sozialwerke und Wohlstand, sie tragen einen wichtigen Teil zur Stabilität der Wirtschaft bei.

Doch gerade KMU geraten mit der Forderung „sechs Woche Ferien für alle“ unter massiven Druck. Im Gegensatz zu grossen Firmen, welche über einen grösseren personellen Spielraum verfügen, können kleine Betriebe die zusätzlichen Abwesenheiten nur schwer kompensieren. Eine Bäckerei beispielsweise, oder eine Schreinerwerkstatt mit 5 Mitarbeitenden, spürt jedes Paar Hände das fehlt. Kleine und Kleinstunternehmen können sich flexible Stellvertretungen oft nicht leisten und bleiben viele Wochen im Jahr personell unterbesetzt. Hinzu kommt, dass spezialisierte Betriebe grosse Mühe haben, qualifiziertes Personal mit dem nötigen Know-how zu finden. Die Unternehmen werden vor die Wahl gestellt – entweder müssen die „Daheimgebliebenen“ für ihre abwesenden Kollegen einspringen, was die Arbeitsbelastung massiv erhöht. Sonst muss die Produktion zurückgefahren werden und das Geschäft bleibt wegen Betriebsferien geschlossen. Das schadet enorm. Denn nur zuverlässige Unternehmen, die ihre Aufträge sorgfältig planen und durchführen, können auf dem Markt bestehen.

Berechnungen des Bundesrats ergeben, dass pro zusätzliche Ferienwoche mit Kosten von zwei Prozent der Lohnkosten zu rechnen ist. Das entspricht rund sechs Milliarden Franken pro Jahr. Auf ein kleines Unternehmen ist das viel Geld, wenn die Kosten um bis zu einen halben Monatslohn steigen. Um die zusätzlichen Lohnkosten einzusparen haben Arbeitgeber zwei Möglichkeiten: Entweder sie korrigieren die Löhne nach unten, oder es wird so lange auf eine Lohnerhöhung verzichtet bis die Produktivitätsverluste eingespart sind. Verlierer sind in beiden Fällen die Angestellten.

Die Initianten möchten mit mehr Ferien die Arbeitnehmenden entlasten – und erweisen ihnen mit der Ferieninitiative einen Bärendienst. Dass Stress und Arbeitsbelastung im Berufsalltag zugenommen haben, ist unbestritten. Das belegt auch die von den Initianten viel zitierte Stress-Studie des Seco (2010). Doch es lohnt sich, einen genauen Blick auf die Zahlen zu werfen. Während 34,4 Prozent sich „häufig/sehr häufig“ gestresst fühlen, gibt gut die Hälfte (52,4 Prozent) der Arbeitnehmenden an, „manchmal“ gestresst zu sein. Diese Zahlen sind eindrücklich, doch sie belegen nicht, welchen Einfluss Ferien auf das Stressempfinden haben. Die Studie des SECO geht auch nicht auf den Zusammenhang zwischen Ferien und Stress ein. Erwiesenermassen positiv für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wirken sich jedoch ein gutes Einkommen, das Verhalten des Vorgesetzten oder flexible Spielräume bei der Arbeitszeit aus. Diese Faktoren würden durch eine pauschale Ferienregelung beeinträchtigt. Ebenso wenig belegt ist die Annahme, dass die zusätzlichen Arbeitskosten durch „Einsparungen bei Gesundheits- und Stresskosten“ wettgemacht werden können. Ein europäischer Vergleich zeigt, dass Arbeitnehmer nicht weniger krank werden wenn sie mehr Ferien haben. Ein Beispiel: Mit 40 bezahlten Ferien- und Feiertagen liegen Finnland und Frankreich an der Spitze des europäischen Ferienrankings. Trotzdem fehlen finnische und französische Arbeitnehmer krankheitshalber mit 8,5 Tagen mehr als doppelt so oft wie ihre Kollegen in der Schweiz und Irland, die mit 29 Tagen deutlich weniger bezahlte Ferien- und Feiertage beziehen.

Müssen die Arbeitgeber allen Angestellten sechs Wochen Ferien gewähren, bliebe weniger Spielraum für flexible Lösungen. Einem Grossteil der Angestellten ist jedoch mit branchenspezifischen Lösungen wie Jobrotation, Jahresarbeitszeit oder Teilzeitstellen mehr gedient als mit einer Ferienpauschallösung. Gerade die von den Initianten gewünschte „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ wird durch zusätzliche Ferien nicht verbessert. Sinnvoller als eine Ferienpauschale von sechs Wochen sind individuelle Lösungen, von denen Familien nicht punktuell, sondern über das ganze Jahr hinweg verteilt profitieren. Dazu gehören beispielsweise familienfreundliche Arbeitszeiten, die Möglichkeit zu Home-office, Jobsharing oder die Förderung von Kinderbetreuungsangeboten.

Schliesslich belastet die Ferieninitiative die Wettbewerbsfähigkeit und bringt den Wirtschaftsstandort Schweiz und damit Arbeitsplätze in Gefahr. Steigen die Arbeitskosten weiter an, könnten Firmen bestehende Arbeitsplätze auslagern oder Produkte aus dem Ausland importieren, anstatt sie bei inländischen Herstellern zu beziehen. Ebenso würde die Schweiz stark an Attraktivität für ausländische Unternehmen einbüssen. Diese werden ihre Zweigstellen lieber in ein kostengünstigeres Land mit einer für sie günstigeren Ferienregelung verlegen. Die inländischen KMU – insbesondere die Zulieferindustrie – wären daher gleich doppelt betroffen. Ein Teufelskreis, der letztlich zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen würde. Und damit unseren im damit den im wahrsten Sinne des Wortes den „hart erarbeiteten“ Schweizer Wohlstand. Darum lege ich am 11. März ein entschlossenes NEIN zur Ferieninitiative in die Urne.

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