Das Folgende ist eine Aufzählung von Gründen, sich von "den" Medien enttäuscht, zuweilen gar angewidert zu fühlen und ein Versuch, nicht darauf abzufahren.

Zu viele Medienschaffende und Medienbetreiber rechtfertigen ihr Gewerbe gern mit der staatstragenden Bedeutung ihrer Informationsarbeit und vermuten oft überempfindlich hinter jeder Kritik an der Qualität ihrer Berichterstattung und/oder Meinungsbildung einen Angriff auf die Informations- und auch auf die Meinungsäusserungsfreiheit.

Sie massen sich eine Art Immunität an, die sie selber nicht als mit ihrer "staatstragenden" Funktion unvereinbar erkennen können.

Sie möchten, ohne jede Rechenschaftslegung alle Rechte der von ihrer Betriebsamkeit Bedrohten und Betroffenen einfach nach ihrem Bedürfnis in angeblich höheren Interesse der Gemeinschaft bzw. der Öffentlichkeit ausser Kraft setzen.

Wo sich das verständliche Bedürfnis der von ihnen Informierten nach Aufklärung über ihre Recherchiermethoden und Arbeitsweisen meldet, weil eben staatstragende Themen davon berührt sind, berufen sie sich, Geheimdiensten ähnlich, z.B. auf Informantenschutz.

Diese parteiische Haltung zu Gunsten des aus fragwürdigen Motiven agierenden Lieferanten brisanten Stoffs auf Kosten des dafür in seiner Privatsphäre nicht selten schwerstens und in keinem Verhältnis zum wahren, abschätzbaren öffentlichen Interesse stehender Weise Verletzten ficht die Helden der Wahrheit nicht im Geringsten an.

Sie, die zu Vielen, bilden sich ein, ihr - hinterher sich leider zu oft als Trug erweisendes - "Wissen" und die Kenntnis der Quellen, gäben ihnen unantastbares Recht.

Sich gern selber als "vierte Gewalt" im Staate darstellend, halten sie rein gar nichts von Gewaltenteilung, wo es an ihnen läge, diese zu respektieren und zu wahren.
Sie allein wissen, was Demokratie sein solle und pauken es dem Volk ein, auf das sie, wie jede Staatsgewalt in einer Demokratie, hören sollten, ohne offen zu legen, in wessen Auftrag sie das tun.
Sie postulieren, die Presse und die Medien seien grenzenlos "frei", zu verbreiten, was und wie es ihnen beliebt und sie geben damit selber ein Beispiel der zweckdienlichen Rücksichts- und Verantwortungslosigkeit, die sie andern Wirtschafts- und Markt- und Politikteilnehmern als Freiheitsmissbrauch ankreiden.

Sie fordern von Andern moralische und ethische Tatbeweise, die von ihnen selber zu erwarten sie als Zumutung von sich weisen.

Sie massen sich Privilegien an, die, wie erwähnt, einer sich selbst institutionalisierenden Inquisition eher entsprechen als einer staatstragenden Funktion.

Sie gefährden Demokratie und verbreiten von Recht und Freiheit falsche, sentimentale und unbrauchbare Vorstellungen.

Die Medien stehen zu sehr unter sog. wirtschaftlichen Zwängen, um, nüchtern betrachtet, noch zu unabhängiger Berichterstattung und Kommentierung frei zu sein.

Die wohltuenden Ausnahmen gibt es und Alle sind dankbar dafür, aber sie soltten die Norm sein.

Zuviele Medien erfüllen überdies ihre angeblich "staatstragende" Pflicht nicht, wenn sie Informationsfreiheit nicht von Meinungsäusserungsfreiheit klar trennen sondern beides dauernd vermengen und auch noch behaupten, das Publikum erwarte einen derartig verkochten Informationsschleim.

Informationsfreiheit ist die Freiheit, sich über Sachverhalte, die die Öffentlichkeit dringend etwas angehn, gehörig und so gründlich kundig zu machen, dass man vernünftig und unmissverständlich darüber berichten kann.
Zuviele Medienschaffende unterschätzen die Anforderungen an Disziplin und Arbeit, die das erfordert.

Mangelhafte Verifizierung und Unverstand in der Sache, worüber berichtet werden sollte, werden mit "Meinungsäusserung" kompensiert, die aber nicht mehr bringen kann, als die Qualität der Erkundung dessen, worüber man aus eigener oder diktierter subjektiver Sicht Folgerungen ziehen zu können sich rechthaberisch eibildet.

Allerdings muss auch die Leserschaft mindestens zur Hälfte die Verantwortung am jämmerlichen Zustand dessen mittragen, was zu viele Medien - und daneben auch grosse Teile unserer sog. "Kultur" (bzw. Ablenkungs- und Zerstreuungsindustrie) - sind und leisten.
Würde sie kritischer lesen, hören und sehen, was das eigentlich heisst, was da in welchem Geiste geschrieben oder gesendet wird und konsequenter aufhören, sich das weiterhin zu Gemüte zu führen, hätte das Brauchbare und Wichtige bessere Chancen, gehörig beachtet und diskutiert zu werden.

Was für Medien wieviel Beachtung geniessen und welchen Einfluss sie auf alles Gesellschaftliche, nicht nur auf die Politik haben, ist letztlich eine kulturelle Frage, die nicht grundlegend von der Politik alleine beantwortet werden kann.

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