Lädelisterben ist Realität - warum soll der Buchhandel davon ausgenommen werden?

Machen wir uns nichts vor, der Buchhandel steht vor grossen Herausforderungen. In den letzten Jahren fand ein sprichwörtliches Massaker statt, eine Buchhandlung nach der anderen musste schliessen. Genauso wie ein Detailhändler nach dem anderen zutun musste. Das Lädelisterben ist Realität. Zwar schiessen die Tankstellenshops wie Pilze aus dem Boden und Shoppingcenters gehen in der Schweiz en masse auf - aber vieles spricht gegen den altbekannten Fachhandel.

Der Fachhandel wird förmlich aufgerieben. Migros, Coop und internationale Ketten wie H&M, Zara & Media Markt machen alles Platt, was kein klares Profil hat. Nicht etwa mit unfairen Mitteln, es sind die Konsumenten, welche den Grosseinkauf lieber im Shoppingcenter tätigen, anstatt lokal einzukaufen. Damit kann der Schuhhändler auf dem Dorf, der Tante Emma Laden oder ein Buchhändler nur noch schlecht leben. Wenn überhaupt.

Sinkende Preise, tiefere Marge und fallender Euro tun ihr Rest. Wenn ein Buchhändler letztes Jahr gleich viele Bücher verkaufte wie im Vorjahr, hat er dennoch ein dickes Minus eingefahren. Warum? Weil der Euro fiel. Nehmen wir eine Marge von 35%. Kauft eine Buchhandlung ein Buch für 30 Franken ein, dann kostet es den Konsumenten 40.50. Die Buchhandlung macht bei diesem Buch einen Bruttogewinn von 10.50. Fällt der Euro um 20%, kostet das Buch nur noch 24 Franken im Einkauf. Schlägt der Buchhändler seine 35% Marge drauf, kostet das Buch noch 32.40. Trotz derselben Gewinnmarge, bleibt dem Buchhändler nur noch 8.40. Das sind 2.10 weniger pro Buch. Eine Buchhandlung muss pro Mitarbeiter im Jahr mehr als 1’000 Bücher mehr verkaufen, nur um die Verluste aus dem Eurogeschäft auszugleichen.

Es ist das Angebot, die Verfügbarkeit und die Marketingpower der grossen Läden und nicht der Preis, der dem “kleinen” Fachhandel Schwierigkeiten bereitet. Die Konsumenten kaufen heute Digitalkameras im Media-Markt, weil dort viel mehr Kameras ausgestellt sind, als im Fotogeschäft und weil man sowieso schon im Media-Markt ist. Der Ex-Libris wird dem Buchhandel wehtun, egal ob Buchpreisbindung oder nicht, weil der Ex-Libris an besseren Standorten ist, als die einzelne Buchhandlung.

Die Buchpreisbindung taugt nicht einmal für eine lebensverlängernde Massnahme, sie ist ein Strohhalm, an der sich einige festhalten wollen. Ich kann dies sehr gut nachvollziehen, habe ich doch in einem Computergeschäft die Stifti gemacht und hatte ich selbst einmal ein Video-, CD und Computerladen. Ich weiss was es heisst, wenn der Citydisc in die nahe gelegene Stadt kommt und die Preise vermeintlich unterbietet und ein grösseres Angebot offeriert.

So weh es tut, wenn der kleine Fachhandel schliesst. Es ist eine Entscheidung der Konsumenten gegen Beratung dafür für billigere Preisen, mehr Angebot und höherer Verfügbarkeit. Die Konsumenten werden sich auch beim Buch nicht für den kleinen Fachhandel entscheiden. Wenn wir heute ja zur Buchpreisbindung sagen, wird die Buchpreisbindung dereinst die Cash-Cow für einige wenig übrig gebliebene Händler sein.

Es gibt keinen Grund, dass wir langfristig den Konsumenten über den Tisch ziehen. Darum nein zur Buchpreisbindung.

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