Die Diskussion um 6 Wochen Ferien ist realitätsfremd – die fortschreitende Roboterisierung zwingt über die 28 Stunden Woche und 2 Monate Ferien nachzudenken.

Wie hoch ist die effektive Arbeitslosigkeit?

Vor einem halben Jahr stellte ich die Behauptung auf, dass in der Schweiz 13 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos ist. Vor Kurzem hat mich ein Nachbar darauf hingewiesen, dass diese Annahme falsch ist.
Beim Zusammenzählen der verschieden von Erwerbslosigkeit betroffenen Gruppen habe ich die Familien vergessen, die ein zweites Einkommen brauchen. Die Zahl der Familien, die an der Armutsgrenze leben, nimmt stetig zu. Diese Familien haben zu wenig Geld um die Rechnungen zu bezahlen und zu viel Geld, um vom Sozialamt einen Batzen zu erhalten.
Vergesslich, wie ich bin, habe ich auch vergessen die SchulabgängerInnen mitzuzählen, die am Einstieg in die Erwerbsarbeit gehindert werden. Eine schwer abzuschätzende Anzahl ausbildungswilliger junger Menschen wird in Zwischenlösungen und zusätzlichen Schuljahre entsorgt.
Alles zusammengezählt, werden in der Schweiz 20 Prozent der erwerbsfähigen Wohnbevölkerung vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt.
In den 1980 Jahren gab es zum letzten Mal Vollbeschäftigung. Arbeit gab es genug und die Löhne stimmten.
In den letzten 30 Jahren haben sie die Menschen und ihren Willen zu Arbeiten nicht verändert. Verändert hat sich die Fähigkeit der Politiker die sozialen Probleme zu lösen.
Anstatt die anstehenden Probleme zu lösen, fährt das Parlament Bundesratskarusell oder beschäftigt sich mit Christoph Blochers Ränkespielen.

Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der Digitalisierung – Roboterisierung

Die wachsende Arbeitslosigkeit ist ein Produkt der fortschreitenden Rationalisierung. Die Arbeitslosigkeit ist kein Produkt menschlicher Faulheit.
Viele Arbeiten, die früher von Menschen erledigt wurden, werden heute von Computern erledigt. Die Rationalisierung tritt in den nächsten Jahren in eine neue Phase. Von Tag zu Tag nimmt die Intelligenz der Roboter und ihre Fähigkeit autonom zu handeln zu. Es ist nur eine Frage der Zeit bis humanoide Roboter menschliche Arbeitnehmer verdrängen werden. (http://suche.golem.de/search.php?l=10&q=roboter)
In der Folge wird die Arbeitslosigkeit um weitere 15 bis 20 Prozent anschwellen.
Vollbeschäftigung ist eine Illusion. Vollbeschäftigung wird es auf dem heutigen Entwicklungsniveau nie mehr geben.
Die Frage lautet nicht ob noch mehr für weniger Lohn gearbeitet werden sollte, sondern wie die vorhandene Arbeit auf alle gerecht verteilt wird.
Eine Gesellschaft, in der die Hälfte krank ist, weil sie zu viel Arbeit hat und die andere Hälfte krank ist, weil sie keine Arbeit hat, ist keine Vision für die Schweiz.

Die Soziale Frage

Die gerechte Verteilung der Arbeit hängt eng mit der Frage zusammen, wie die digitale Dividende - Fortschrittsdividende an die Menschen verteilt wird.
Sollen immer weniger Menschen für weniger Lohn mehr arbeiten? Oder soll der Fortschritt der ganzen Gesellschaft zugutekommen?
Verabschieden muss man sich von der Illusion, dass der Lohn etwas mit Arbeitsleistung zu tun hat. Der Mensch geht arbeiten, um sich geistig zu entwickeln und soziale Kontakte zu pflegen. Geld erhält der Mensch, weil er es zum Leben braucht. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.
Die heutige Situation ist unbefriedigend. Mit vielen Massnahmen und statistischen Tricks wird das effektive Ausmass der Arbeitslosigkeit verschleiert.
Mit unproduktiven Arbeitsplätzen in der Bürokratie und der Verwaltung wird die Illusion einer grossmehrheitlichen arbeitenden Gesellschaft erzeugt.
Die Lösung der Sozialen Frage ist vielschichtig. Zu ihr gehört nicht nur die gerechte Verteilung der Arbeit. Individuelle Freiheiten, Bürokratieabbau und die Aufhebung wirtschaftsfeindlicher Gesetze sind genauso wichtig wie die gerechte Verteilung des Bruttosozialproduktes.
In den nächsten Jahren werden die SchweizerInnen ausführlich mit der Sozialen Frage konfrontiert werden. Nach der anstehenden Abstimmung über 6 Wochen Ferien stehen die Mindestlohn-Initiative und die Abstimmung über das bGE an.
Wenn auch das bedingungslose Grundeinkommen ein Schritt in die richtige Richtung ist, so ist es doch nicht die Lösung der Soziale Frage. Ohne die Lösung der Sozialen Frage ist das bGE kaum befriedigender als die heutige Situation.

Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden. (Rudolf Steiner)

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