Die Buchpreisbindung schadet den Konsumenten und den kleinen Anbietern. Innovative Vertriebs- und Verkaufskonzepte werden benachteiligt.

Unsere liberale Wirtschaftsordnung basiert auf dem Wettbewerb, auf der freien Preisfindung auf dem Markt. Wettbewerb und Markt führen zu kostengerechten, der Qualität der Produkte entsprechenden Preisen, wovon der Konsument profitiert. Des Weiteren spornt der Markt die Anbieter zu einem innovativen Verhalten an. Hersteller, Vertreiber und Verkäufer von Büchern haben einen Anreiz, die Nachfrage nach Büchern mit innovativen Angeboten möglichst gut und zu möglichst tiefen Kosten zu befriedigen. In einem regulierten Markt und in Kartellen hingegen bezahlen die Konsumenten überhöhte Preise, die Anbieter können sich auf Grund ihrer bequem erwirtschafteten hohen Gewinne auf ihren Lorbeeren ausruhen und es besteht die Gefahr, dass sie die Entwicklung der Nachfrage und des Marktes verschlafen.
Preisregulierungen lassen sich aus liberaler Sicht nur dann rechtfertigen, wenn ein Marktversagen vorliegt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sogenannte externe Effekte vorliegen, z.B. Umweltverschmutzung, oder wenn kein Wettbewerb herrscht, z.B. aufgrund eines Monopols. Diese Sachverhalte liegen jedoch auf dem Büchermarkt eindeutig nicht vor. Ausserdem konnte von den Befürwortern der Buchpreisbindung nicht glaubhaft dargelegt werden, weshalb eine Einschränkung des Marktes, ein Diktat der Preise durch die Verlage sowie eine staatliche Preisregulierung für das Buch und die Buchhandlungen langfristig von Vorteil sein sollen. Kurzfristig lässt sich vielleicht ein gewisser Druck auf die Margen abwenden. Die Erfahrungen auf anderen Märkten haben jedoch gezeigt, dass die Einschränkung des freien Marktes weder zum Vorteil der Konsumenten noch zum Vorteil der Anbieter auswirkt. Im Gegenteil, von Marktbeschränkungen profitieren meistens die grossen Anbieter, zu Lasten der Kleinen und der Konsumenten. Ausserdem darf nicht vergessen werden, dass wir uns hier in einem internationalen Umfeld bewegen. Der Konsument kann aufgrund des Internet-Handels problemlos ins Ausland ausweichen.
Die kleinen Buchhändler müssen bedenken, dass die Preisbindung auch eine Grenze nach oben bedeutet. In den meisten Märkten besteht heute eine Zweiteilung mit differenzierten Preisen: in der Regel gibt es einen grossen, wettbewerbsintensiven Teilmarkt für Standardangebote und Produkte mit einer grossen Nachfrage, und ein oder mehrere kleine Teilmärkte für Nischenanbieter, welche z.B. spezielle Produkte, eine gute Beratung oder ein besonderer Kundenservice anbieten. Es gibt dazu unzählige Beispiele. In der Regel sind die Konsumenten im Nischenbereich bereit, höhere Preise für das Produkt selbst und für gute Beratungs- und Servicedienstleistungen zu bezahlen. Mit der Buchpreisbindung besteht hingegen die Gefahr, dass gerade solche Dienstleistungen nicht mehr abgegolten werden, weil der Anbieter die entsprechenden Kosten nicht mehr über den regulierten, für den Nischenanbieter zu tiefen Preis decken kann. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass die Preise von der Verlagen gemäss den Bedürfnissen der kleinen Anbieter festgelegt werden; sie werden die Preise so festlegen, dass ihr Gewinn maximiert wird.
Die Buchpreisbindung wirft für kleine Anbieter den süssen Köder von kurzfristig höheren regulierten Preisen aus. Langfristig werden die kleinen Anbieter jedoch in ein Korsett gezwängt, in dem es ihnen unmöglich sein wird, durch qualitativ gute und innovative Angebote zu überleben. Die Buchpreisbindung ist deshalb entschieden abzulehnen.

1 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Handel»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production