Wie sich 6 Wochen Ferien auf KMUs auswirken

Viele Stimmberechtigte arbeiten in einem KMU, weil wir die meisten Arbeitsplätze im Land anbieten. Somit kann ein grosser Teil der Stimmenden selbst einschätzen, wie sich die zwei Wochen mehr Ferien auswirken. Um einen Anhaltspunkt zu geben, liste ich ein paar typische Branchen und Positionen auf und wie der KMU-Chef die zwei zusätzlichen Wochen für sich womöglich einschätzen wird.

Typ 1 Dienstleister mit direktem Umsatz

Coiffeure
Ist ein Coiffeurangestellte zwei Wochen weg, kostet sie weiterhin ca. 1’700 Franken. Im Schnitt fehlen in dieser Zeit pro Tag 4-6 Kunden, etwa 4’000 Franken Umsatz. Für den Coiffeurladen sind dies zusammen rund 5’700 Franken “Mehrkosten” pro Angestellte.
Offen gestanden, diese Branche bräuchte eher bessere Löhne als mehr Ferien.

Dienstleister IT
Ein erfahrener Entwickler verdient zwischen 90’000 und 120’000 Franken (je nach Ort, Branche usw.). Der Unternehmer bezahlt weiterhin 3’500 bis 4’500 Franken in den zwei Wochen Ferien. Während dieser Zeit fehlen ihm etwa 55 verkaufbare Stunden à 180, macht 9’900 Franken weniger Umsatz. Für das Softwareunternehmen sind dies rund 14’000 Franken “Mehrkosten” pro Entwickler.

Typ 2 Verkauf

Bäckerei
Eine gut ausgelastete Bäckerei wird nicht mehr und nicht weniger verkaufen, wenn jemand weg ist. Aber die Person an der Theke muss ersetzt werden. Somit fallen weiterhin ca. 1’900 Franken für die Ferien machende Person und weitere 1’000 bis 2’000 Franken für die Aushilfe an. Eine Bäckerei hat somit rund 3’500.- “Mehrkosten” pro Jahr und Angestellte.

Verkauf High End
Ob gehobene Immobilien oder grosser Werbeetats. Millionen Softwareprojekt oder ein Pensionskassenabschluss mit einem Unternehmen von 500 Mitarbeitern, solche Geschäfte sind nicht tageskritisch. Je nachdem wie gut der Verkäufer ist, wird man gar nicht merken, dass diese Person zwei Wochen weg war. Weil viele von diesen Verkäufern stark Provisioniert sind, sind diese zwei Wochen für das Unternehmen fast egal.

Typ 3 Backoffice

Architekturbüro mit 8 Angestellten und einer Teilzeitbuchhalterin. Sie wird wohl zwei Wochen mehr weg sein, nur merkt dies das Unternehmen nicht. Eine Aushilfe wird sich nicht lohnen, weil der Aufwand für die Einarbeitung viel zu hoch ist. Trotzdem muss die Arbeit gemacht werden. Also hat die Teilzeitbuchhalterin in weniger Zeit dieselbe Arbeit zu erledigen oder - was auch möglich ist - sie kann etwas mehr Stunden arbeiten. Das wären dann rund 1’000 Franken Mehrkosten pro Jahr.

Typ 4 Produktionsmitarbeiter

Hier kommt es stark darauf an, wie die Unternehmen organisiert sind. Einige werden dank Saisonschwankungen relativ gut damit auskommen, andere werden weniger Produzieren und wiederum andere werden einfach mehr arbeiten müssen.

Alle hier aufgelisteten Beispiele, Löhne und Kosten sind Richtwerte. Wie es sich konkret auf die einzelnen Unternehmen auswirken wird, hängt stark vom jeweiligen Betrieb ab. Wie reagieren wir Unternehmer bei einem Ja auf die neue Situation? Für uns gibt es vier Möglichkeiten:

  1. Wir verdienen weniger.
  2. Kostensenken durch stagnierende Löhne und tiefere Löhne bei Neueinstellungen. In den Lohnverhandlungen der nächsten Jahre werden wir stark darauf Hinweisen, dass die mehr Ferien eine saftige Lohnerhöhung sind. Viel mehr als die 2%, weil wir nicht nur die höheren Lohnkosten haben, sondern auch massiv weniger Umsatz machen oder Ersatzpersonal einstellen müssen.
  3. Kostensenkung durch Auslagerung und Prozessoptimierung. Da sind die Ferien nicht ausschlaggebend, aber neben der technologischen Entwicklung und dem schwachen Euro ein weiterer Faktor.
  4. Preiserhöhungen.

Schlimme Finger werden 2 bis 4 machen. Mehr KMUs als man denkt, werden weniger verdienen. Und der Grossteil der KMUs wird mit ihren Angestellten einen gemeinsamen Mittelweg finden.

Weniger Lohnerhöhung, höhere Preise und Rationalisierung muss nicht schlimm sein. Vielleicht sind Ihnen die zwei Wochen Ferien eine Lohneinbusse und Preiserhöhungen wert. Der Informatiker kann es sich vermutlich leisten, zumal dort auch höhere Preise für die Kunden einfacher durchzusetzen sind und weiterhin eine Lohnerhöhung drin liegt. Für die Coiffeuse wird es hingegen etwas härter.

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