Wer gibt den KMUs Ferien?

Ich kenne keinen Chef, für den es einen schlimmeren Job gibt, als eine Kündigung auszusprechen. Egal ob kleiner KMU-Chef oder ein Bereichsleiter mit 500 Angestellten. Einem Mitarbeiter zu künden, ist der blanke Horror. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Kündigung aus Spardruck ausgesprochen wird oder weil die Person nicht ins Team passt. Eine Kündigung versetzt jeden Chef in Panik. Mich inklusive.

Ein Bekannter hatte über 200 Stellen zu künden. Man unterstellte ihm alle Bösartigkeiten. Vom eiskalten Jobkiller bis zum gewissenlosen Menschenfresser. Seine Antwort war stets; es ist nötig, sonst gibt es die Firma nicht mehr. Als er die Kündigungen nach 8 Monaten durchhatte, liess er sich einweisen. Er hatte ein Alkoholproblem und war mit den Nerven völlig am Ende. Davon erfuhr niemand etwas.

Wenn ich die schönen Texte unserer Gewerkschafter zum Thema 6 Wochen Ferien lese, dann frage ich mich, ob diese unsere Realitäten kennen. Ob sie sich überhaupt vorstellen können, dass auch wir unter dem Veränderungsdruck stehen. Ironie der Abstimmungsgeschichte ist, dass die Arbeitnehmer mehr Ferien wollen und die Buchbranche verzweifelt nach geschützten Preisen schreit. Und dies nicht grundlos.

Wer sich erinnern mag, es gab eine Zeit vor Media Markt, toppreise.ch, iTunes und Digitalkameras. In jener Zeit gab es gut laufende CD Läden. Den Fernseher und die Fotokamera kaufte man im gut sortierten Detailhandel zu +/- einheitlichen Preisen. Dahinter gab es ganze Industrien wie zum Beispiel der Fotodruck.

Die Unternehmenswelt hat sich in den letzten 20 Jahren dramatisch verändert. Klassische CD Läden sind verschwunden. Der gut sortierten Detailhandel mit persönlicher Beratung wurde dem Erdboden gleichgemacht. Und Kodak meldete soeben Konkurs an. Davor haben auch Unternehmer Angst und weitere zwei Wochen Ferien, machen noch mehr Angst.

Ich will nicht auf die Tränendrüse drücken. That’s life. Und wenn alte Branchen zusammenkrachen, sind es neue Unternehmen, die die Welt verändern und neue Jobs anbieten. Manchmal schaffen es sogar alte Konzerne, sich in die neue Welt rüberzuretten. So wie es Fuji im Gegensatz zu Kodak gelang.

Bei der Diskussion über 2 Wochen mehr Ferien oder nicht wünschte ich mir eines, dass wir uns bewusst werden; wir sitzen im selben Boot. Kein Unternehmen ohne Mitarbeiter und keine Mitarbeiter ohne Unternehmen.

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