USA: Golfkrieg, Afghanistan, Irak, Libyen - bald auch noch Nordkorea, Syrien und Iran?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Seit nun gut einem Jahr brodelt es in der arabischen Welt. Durch Revolten und Bürgerkriege entstanden grosse Flüchtlingswellen, welche Europa spürbar erreichten. Die humanitäre Lage in vielen arabischen Ländern ist katastrophal. In Staaten, in welchen die Regierung gestürzt/verändert wurde herrscht noch immer Chaos.

Bis vor einem Jahr war die USA die kriegstreibende Kraft. Im kalten Krieg wurden Spannungen aufgebaut, welche bis heute noch Auswirkungen haben. Die USA haben Terroristen mit Waffen ausgerüstet, mit welchen dann gegen die Sowjets gekämpft werden sollte. Ironischerweise verübte eine der ehemals unterstützten Organisationen (Al-Kaida) unter Anderem die furchtbaren Anschläge von 9/11.

Daraufhin reagierte die USA und drang in Afghanistan ein, kurz darauf auch in den Irak, wo Massenvernichtungswaffen vermutet wurden. Währenddem der Afghanistaneinsatz eine breite Unterstützung fand, war die Zustimmung für den Irakkrieg ausserhalb von Amerika und England nicht sehr hoch. Man sollte Recht behalten - der Irakkrieg kostete Billionen Dollars, forderte x-tausend Tote, das Land wurde zerstört, Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden und wo stehen wir heute? Wieder am Anfang, Terroranschläge erschütterten Tage nach dem Abzug der letzten Truppen das Land.

Einzig in Afghanistan bzw. Pakistan verbuchen die USA mit der erfolgreichen Jagd auf Terroristen grosse Erfolge. Terroristische Organisationen werden durch Drohnenangriffe systematisch geschwächt. Doch es ist ein Krieg, welcher nie gewonnen werden kann. Nach dem geplanten Abzug in den nächsten Jahren werden die Terrororganisationen wieder an Stärke gewinnen und wohl auch in Zukunft die Weltsicherheitslage bedrohen.

Besonders in der Schweiz wird oftmals behauptet, dass ein konventioneller Stellungskrieg zwischen zwei modernen Staaten heute undenkbar sei. Was im Umkreis von 2 oder drei Landesgrenzen wohl zur Zeit noch stimmen mag, könnte etwas weiter weg sehr bald Realität werden.

Die arabische Welt durchläuft einen Umbruch. Staaten wie Syrien und der Iran werden früher oder später auch betroffen sein. Und was dann? Bereits heute ist die Situation extrem angespannt. Russland hat eine Kriegsflotte nach Syrien entsendet, der Iran und Russland liefern Waffen an das Regime von Präsident Assad. Vor einigen Tagen hat Katar als erstes arabisches Land eine militärische Intervention in Syrien gefordert. Die Beobachtermission wird scheitern.

Der Iran verhält sich seit den Sanktionen (anlässlich des IAEA Berichts vor 2 Monaten, in welchem steht, dass der Iran vor einigen Jahren ein militärisches Atomprogramm verfolgt hatte und womöglich im Geheimen dieses weiter verfolgt) extrem irrational. Es wird mit Sanktionen für die umliegenden Staaten und mit einer Seeblockadegedroht, es wurde ein Seemanöver durchgeführt und gleichzeitig sollen nun Atomenergieinspektoren ins Land gelassen werden, währenddem die USA 2 weitere Flugzeugträger in die Region entsandt hat. Mittlerweile ist der Iran offiziell fähig, 20%ig angereichertes Uran herzustellen, was für zivile Zwecke bereits viel zu hoch ist (benötigt wird für ein AKW laut Wikipedia 3-4%).

Auch in Nordkorea scheint man weit von einer stabilen Lage entfernt zu sein. Vor rund einem Jahr gab es den mysteriösen Untergang eines Südkoreanischen Kriegsschiffes, danach auch noch einen Artilleriebeschuss ausgehend von Nordkorea, weil der Süden zusammen mit den USA nach dem Untergang des Kriegsschiffs ein Seemanöver durchgeführt hat. Mittlerweile ist der alte Herrscher Kim-Jong Il gestorben und der Sohnemann übernimmt die Geschäfte - offenbar wird er mit gleicher eiserner Hand regieren wie sein Vater.

**Was bedeutet dies nun für die Weltsicherheit? **Aus meiner Sicht liegt Anfangs 2012 so viel Spannung in der Luft wie noch selten zuvor. Die USA verliert langsam die militärische Oberhand an das aufstrebende China, trotzdem scheint die USA weiterhin an mindestens zwei entscheidenden Enden mysteriöserweise anzutreffen sein: Iran und Nordkorea. Gleichzeitig soll sehr bald der Afghanistaneinsatz beendet werden, aus dem Irak ist man bereits abgezogen. Doch die Intervention in Libyen hat gezeigt - die USA schreckt vor neuen Kriegshandlungen nicht zurück. Trotzdem soll das Armeebudget um 450 Milliarden (!!!) Dollar gekürzt werden.

Auch Syrien erhält Schützenhilfe von zwei bedeutenden Partnern: Russland und Iran. Währenddem der Iran ganz andere Probleme hat, brodelt es auch in Russland. Die Bevölkerung wirft der Regierung Wahlbetrug vor und fordert Reformen - klingt irgendwie vertraut.

Und zuletzt bleibt noch die dritte Grossmacht, China. Das grösste Volk der Erde mit der grössten Streitmacht scheint ziemlich friedlich das ganze Geschehen zu betrachten. Doch man vergisst sehr schnell, dass China der grösste Partner von Nordkorea ist, und da ist ja etwas weiter südlich auch die USA bereits wieder anzutreffen. Und auch in China werden die Menschenrechte kaum vollständig akzeptiert - wann gehen in China die Leute auf die Strasse?

In dieser Gegend haben wir dann ja auch noch Japan. Das demokratische Land wird von den USA regelrecht mit Kriegsmaterial zugedeckt, gerade vor ein paar Wochen sind dutzende neue Kampfjets auf der japanischen Insel eingetroffen.

Eine Eskalation könnte hier zur nächsten führen; der arabische Frühling könnte in einigen Monaten auch den Iran erreichen. Die Regierung würde jegliche Proteste niederschlagen, alles Weitere wäre nicht absehbar. Die Krisenherde sind heute eng miteinander verknüpft. Der alte West-Ost Konflikt könnte wieder aufleben.

Was heisst das für die Schweiz? In guter neutraler Manier wachsam bleiben. Momentan besteht kein Anlass zur Aufrüstung, jedoch sollte man Vorkehrungen treffen, um bei einer Veränderung der Gefahrenlage schnell grosse Mengen an militärischer Ausrüstung bereitstellen zu können. Das heisst nicht, dass wir nun den Kauf von 2'000 Kampfpanzer von Deutschland, 130 Gripen von Schweden und 60 Rafale von Frankreich vorbereiten müssen. Aber man müsste aus meiner Sicht klar definieren, was in welchem Falle zu tun wäre. Heute weiss man noch nicht einmal, was die Armee überhaupt alles können soll und die Bereiche, welche sie abdecken können sollte (z.B. Luftraumüberwachung) kann in diesem Fall für knapp 2 Wochen Überwachung (nicht effektive Verteidigung) aufrecht erhalten werden. Müsste man 2 Kampfbatallione (welche zum Beispiel bei einer gleichzeitigen Sicherung aller AKWs (je 5'000) und der Flughäfen Genf und Kloten (je 5'000) bereits eingesetzt werden müssten) gleichzeitig mobilisieren, ist man ebenfalls bereits am Limit.

Es ist ja nicht so, dass der Gegner bereits vor unserer Landesgrenze steht. Doch solche Fakten und parallel dazu die weltweite Sicherheitslage stimmen mich sehr nachdenklich. Es wäre heute möglich durch Terrordrohungen auf alle AKWs und auf sämtliche Flughäfen die Schweizer Armee bereits Schachmatt zu setzen. An und für sich bräuchte es gar keine fremde Armee dazu. Ein paar dutzend Terroristen würden ausreichen.

Und jetzt sollen wir noch weiter abrüsten? Es soll noch mehr bei der Sicherheit gespart werden? Die Neutralität soll weiter aufgeweicht werden? ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn es in einer der genannten Regionen oben "chlepft" dann muss ich ehrlich sagen: Ich würde mich hier nicht mehr sicher fühlen. Schauen Sie einmal auf die Landkarte. Syrien, Libyen und Ägypten sind gar nicht so weit von der Schweiz entfernt.

Sind wir in der Schweiz wirklich sicher?

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