Landwirtschaftssubventionen und Zollabstufung in den Industriestaaten behindern Agrarländer!

Zehn Jahre nach Abschluss der Uruguay-Runde stammen über zwei Drittel des landwirtschaftlichen Einkommens in Norwegen und der Schweiz aus Subventionen; in Japan ist es die Hälfte und in der EU ein Drittel. Bei einigen Agrarprodukten wie Zucker und Reis belaufen sich die Subventionen auf fast 80% des landwirtschaftlichen Einkommens. Afrikanische Bauern sind dadurch auf den Weltmärkten praktisch nicht konkurrenzfähig.

Auf global verflochtenen Märkten beeinflussen internationale Preise auch die im Inland. Wenn die Weltmarktpreise für Agrarerzeugnisse aufgrund der gigantischen Subventionen seitens der USA und der EU gedrückt werden, fallen die einheimischen Agrarpreise ebenfalls, so dass selbst Landwirte, die nicht exportieren – sondern nur im Inland verkaufen -, Einkommenseinbussen erleiden. Verdienen die Landwirte weniger, nehmen auch diejenigen, die Waren an die Bauern verkaufen, weniger ein: Schneider und Metzger, Lebensmittelhändler und Friseure. Das gesamte Land wird in Mitleidenschaft gezogen. Die Subventionen mögen nicht darauf zielen, so viele Menschen ärmer zu machen, aber dies ist ihre absehbare Konsequenz.

Der Abbau landwirtschaftlicher Zölle und Subventionen hat zwar grosse Beachtung gefunden, aber damit ist der Fairness noch nicht Genüge getan. Die Zollsysteme selbst müssen so gestaltet werden, dass sie die Entwicklung fördern. Man könnte meinen, dass die Agrarländer das Obst und Gemüse, das sie anbauen, selbst zu Konserven verarbeiten könnten und so mehr einnähmen als durch den Export der unverarbeiteten Produkte. Dies liesse sich leicht in die Praxis umsetzen und würde Arbeitsplätze schaffen. Aber sie tun es nicht, weil die Industriestaaten diese Art der Industrialisierung durch ihr Zollsystem verhindern; auf Fertigerzeugnisse erheben sie höhere Zölle als auf Rohstoffe. Je stärker ein Produkt weiterverarbeitet wurde, desto höher der Zoll. Zollabstufung nennt man dies. In diesem Zusammenhang kommt es nicht nur auf die nominellen, sondern auch auf die effektiven Zollsätze an, die Zölle auf die Wertschöpfung; und gerade die hohen effektiven Zölle auf die industrielle Wertschöpfung in den Entwicklungsländern sollten drastisch gesenkt werden. (Aus Joseph Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung, 2008, Seiten 117-121)

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