Wer ist als nächstes dran?

Unabhängigkeit, Transparenz, Glaubwürdigkeit und Integrität sind die wesentlichsten Anforderungen an die Verantwortungsträger von Aufsichts-, Überwachungs- und Leitungsgremien sowie von staatlichen und staatsnahen Institutionen. Nachdem auch noch der letzte Emailverkehr und die Notizen des Kundenberaters von der Fam. Hildebrand veröffentlicht wurden, sind diese Anforderungen an Herrn Hildebrand nicht mehr zu hundert Prozent gegeben, respektive für einen Dritten in Frage gestellt. Der darauffolgende Rücktritt, so gross auch der Kollateralschaden ist, war konsequent und eigentlich die einzige Möglichkeit der SNB die nötige Stabilität zu geben, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Zu erwähnen ist aber, dass dies der dritte Fall innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne war, welcher gegen diese Grundsätze verstiess.

Im August 2010 musste Eugen Haltiner als Finma-Präsident zurücktreten, da er zwar auch alle Reglemente erfüllte, aber gegenüber der UBS offensichtlich nicht unabhängig war. Im Mai 2011 musste Peter Hufenschmid ebenfalls aufgrund der fehlenden Unabhängigkeit und auch hier trotz Einhaltung der Gesetze und Reglemente als Präsident des ENSI-Rates zurücktreten.

Wer ist der nächste? Wenn der Vorschlag von Herrn Professor Dr. Christoph Mörgeli umgesetzt wird und Herr Hans Kaufmann in den Bankrat der SNB gewählt wird, ist er vermutlich ein heisser Kandidat auf die Nachfolge im Zurücktreten. Herr Kaufmann ist ein ausgewiesener Bankenexperte, daneben Nationalrat und Bankrat der Zürcher Kantonalbank. Er ist aufgrund seines Wissens prädestiniert für die Aufgabe im SNB-Bankrat, aber seine Mandate sind damit nicht vereinbar. Und ein fliegender Wechsel vom ZKB in den SNB-Bankrat ohne Cool-down Periode ein Verstöss gegen jede Unabhängigkeitsüberlegung.

Der Bundesrat, das Parlament, die Finma aber auch die SNB sind immer an erster Stelle, wenn es darum geht die Unabhängigkeit der privaten Dienstleistungserbringer einzufordern und mittels umfangreichen Reglementen sicherzustellen, betrifft es aber sie selbst, sind sie lasch, uneinsichtig, unfähig und auf beiden Augen blind.

Die Rolle von Herrn Dr. Christoph Blocher, seinen Zulieferern und der Weltwoche sind bezüglich diesem Umstand irrelevant und ein Nebenschauplatz. Es liegt leider ganz in der Hand der Medien, dass die Öffentlichkeit über deren Widersprüche, die Lügen, die Falschinformationen, die falschen Anschuldigungen und die Gesetzesbrüche ausführlich informiert ist. Aber Qualitätsjournalismus scheint nicht so lukrativ wie der Boulevardjournalismus zu sein.

9 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.