Weniger Lohn und die Folgen

Lohnkürzungen sind keine Einzelfälle mehr, sie sind eine flächendeckende Erscheinung.
Wer nur 10 Prozent weniger Lohn bekommt, hat Glück gehabt. Die Zeitungsverträger müssen mit 20 bis 30 Prozent weniger auskommen. Der Trend zu weniger Lohn wird sich im Niedriglohnsektor am stärksten auswirken. Arbeitgeber es sich gewohnt sind ihre Arbeitnehmer zu übervorteilen, werden sich keinen Zwang antun.
Bis Mitte 2010 werden die Einkommen der Werktätigen um 10 bis 20 zurückgegangen sein. Das heisst, dass eine Familie muss mit 500.- bis 1000.- weniger Einkommen auskommen.

Ab wann es weh tut

Das Umfeld, in dem die Lohnkürzungen vorgenommen werden, ist denkbar schlecht. Die Energie wird teurer, die Lebensmittel und Rohstoff ziehen im Verlaufe des nächsten Jahres nach und Ende 2010 schlagen die Krankenkassenprämien kräftig auf.
Die Auswirkungen der Lohnkürzungen werden sich erst nach Weihnachten bemerkbar machen, wenn die Steuerrechnung für 2009 bezahlt werden muss. Gleichzeitig wird das Leben teuerer sein.
Real betrachtet verfügt bis Ende 2010, ein Haushalt über 30% weniger Einkommen. Um das Weihnachtsgeschäft nicht zu beinträchtigen, werden erst Mitte Januar 2010 die Aufschläge und Abzüge vollständig weitergegeben.

Was sind die Auswirkungen

30% weniger im Portemonnaie bedeuten 30% weniger Konsum. Eingekauft wird, wo es billig ist, der Preis ist verkaufentscheidend. Das bedeutet, dass die Preise automatisch sinken. Die Preisreduktionen werden durch einen Abbau bei der Werbung, der Verpackung und der Verkaufspräsentation finanziert. Die dem Handel vor- und nachgelagerten Stufen stehen harte Zeiten ins Haus.
Weniger Geld bedeutet weniger Konsum, und weniger Konsum bedeutet mehr Selbstversorgung.
Um die harten Zeiten zu überstehen, wird wieder mehr geflickt, gebastelt, wiederverwertet und weniger weg geworfen werden.
Mit dem Geld verschwindet der Luxus. Turnverein anstatt Fitnessstudio, Vereinsfest anstatt Clubing, Scherbergartenparty anstatt Phuket etc.
Langfristig wird die Schweiz, wieder der Schweiz der 1950er Jahre gleichen. Es wird sparsamer gelebt, mehr selber gemacht und ab und zu vervollständigt ein kleiner Luxus das Glück.

Post Scriptum

Die Wirtschaftskrise hat das globale ökonomische Gleichgewicht verändert. Mit dem Ausverkauf der europäischen Industrie ist der pazifische Raum zum neuen Zentrum des Kapitals und der Weltwirtschaft geworden.
Mit der Preisgabe der Industrie hat die Rückentwicklung Europas begongen. Aus den ehemaligen europäischen Industrieländern werden wieder Schwellenländer.
Die Lohnkürzungen nehmen den Wohlstandsabbau der nächsten Dekade vorneweg. Die Hoffnung, dass es nach einer kurzen Phase der Stagnation wieder aufwärts mit den Löhnen geht, könnte sich als eine trügerische Hoffnung erweisen.

Nachtrag: Diesen Text habe am 28. August 2009 für den Gedankenblitze.ch Blog geschrieben und gepostet. Heute zweieinhalb Jahre später gibt mir die Realität recht. Die Unternehmer halten an ihrer selbstzerstörerischen Strategie fest. Um des kurzeitigen Profits willen zerstören sie die Kaufkraft des tragenden Mittelstands und stürzen die Unterschicht ins Elend.
*
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht!** *

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Staat»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production