Gleiche Rechte für die Eltern - aber wo sind die Rechte der Kinder?

Kinder haben keine Lobby. Kinder können bei einer Trennung zum Spielball von Vater, Mutter und Verwaltung werden. Wenn Eltern nicht miteinander klarkommen, sind es die Kinder, die für Stellvertreterkriege benutzt werden. Es sind die Kinder, die in einen Loyalitätskonflikt geraten und bei all dem Geschachere nicht verstehen, warum Erwachsene sich so unvernünftig verhalten. Alles, was sie möchten, ist eine gute Beziehung - zu beiden Elternteilen.

Die gute Beziehung ist aber leider nicht immer möglich. Wo Eltern ihre Konflikte nicht auf eine “erwachsene” Art beilegen und die Kinder aus ihrem Streit heraushalten, sind die Kinder zwangsläufig die Verlierer und das Gesetz stellt diese Kinder ab 2012 noch schlechter. Neu erhalten bei einer Scheidung im Regelfall beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht. Beide sollen gleichwertig über das Schicksal der Kinder entscheiden können und nur bei Problemfällen, wird das Sorgerecht einem Elternteil zugewiesen.

Grundsätzlich ist es begrüssenswert, wenn sich die Eltern gemeinsam um das Kind sorgen. Im Idealfall - und das ist wohl auch der Regelfall - braucht es keine Richter. Die Eltern ordnen das Familienleben ohne Staat. Wo aber Problemfälle entstehen, ist es von Vorteil, wenn von Anfang an die Verantwortlichkeit klar geregelt ist. Mit dem neuen Gesetz entstehen äussert unschöne Situationen, weil es in erster Linie Rechte, aber keine Pflichten regelt, die es durchsetzen kann. Ausgenommen die Zahlungspflicht.

Es wird so sein, dass bei der Trennung ein Elternteil womöglich nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen will und vorläufig auf ein alleiniges Sorgerecht verzichtet. Stellt sich im Alltag heraus, dass es nicht funktioniert, muss ein aufwendiger Prozess in Gang gesetzt werden.

Es wird in Zukunft möglich sein, dass sich ein Elternteil zwölf Jahre von der Erziehung ausklinkt und dann plötzlich das Gefühl hat, ich will wieder mitreden. Im Alltag hat diese Person längst nichts mehr zu sagen, kann sich aber wieder einmischen und für Unruhe sorgen.

Für Aussenstehende ist es einfach zu reklamieren, zu stänkern und zu “wissen” was richtig ist, wenn man die Konsequenzen nicht tragen muss. Junge Eltern wissen, wer noch keine Kinder hat, kann nicht beurteilen, was es wirklich heisst, wenn das Kind hier ist. Genauso kann das abwesende Elternteil oft nicht einschätzen, was es heisst, wenn die Kinder pubertieren.

Es gibt noch viele mögliche Situationen, die durch die neue Regelung heraufbeschworen werden. Dieses Gesetz wurde eingeführt, weil Mann und Frau gleiche Rechte haben sollen, es hat aber - so kommt er mir vor - überhaupt nicht an die Kinder gedacht. Diese hätten das Recht, das wir Erwachsene ein Umfeld schaffen, indem sie nicht zum Spielball unserer Interessen werden. Ein Recht darauf, dass nur Verantwortung erhält, wer auch seine Pflichten erfüllt und dies ist nicht gewährleistet.

Ich sehe bei der neuen Regelung keine Verbesserung für die Kinder. Hoffentlich wissen wenigstens die Richter im Interesse der Kinder zu handeln.

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