Die Hetze gegen Hildebrand könnte zum Rohrkrepierer werden...

Seit Anfang Jahr beschäftigt sich die Schweiz nur noch mit Hildebrand's Devisentransaktion, wie wenn es keine wichtigere Themen mehr gäbe. Frau BP Evelyn Widmer-Schlumpf wurde gestern in der Arena über eine halbe Stunde mit dem Thema gelangweilt, obwohl ihre Position nach dem zweiten Satz klar war.

Über Moral und Unmoral zu diskutieren, nachdem Herr Hildebrand glaubhaft und überzeugend hat darlegen können, dass kein Vorsatz in seinem Handeln gegen irgendwelche Gesetze oder Reglemente vorliegen, ist müssig und es sollte diese Hetzjagd sofort aufhören. Die SNB hat zur Zeit weit wichtigere Aufgaben, als seinen Präsidenten auf den Seziertisch zu legen.

Einerseits gilt es festzustellen, dass Artikel 161 des StGB lediglich im Zusammenhang mit börsenkotierten Gesellschaften von Insidergeschäften redet, was auch sinnvoll ist. Es ist irrsinnig zu glauben, dass die SNB die Devisenmärkte, mitunter die liquidesten Märkte, nach belieben beeinflussen kann, was in der Vergangenheit auch des öfteren beobachtet werden konnte. Wenn dann das SNB-Reglement für Devisentransaktionen von Direktoren und Mitarbeitern vorschreibt, dass eine Spekulationsfrist von 6 Monaten einzuhalten sei, so wird auch Herr Hildebrand nicht voraussagen können, wo der Kurs in dieser Zeit hingeht.

Nun das Aber! Ungleich im Wertschriftenhandel ist die Positionierung im Devisenhandel in beide Richtungen möglich, d.h. es kann in einem Auftrag USD gegen CHF gekauft werden und vice-versa. Diese beiden Aufträge werden dann völlig gesondert behandelt, bis beide sogenannt glattgestellt werden, was dann unweigerlich in der Zusammenführung der beiden Position resultiert, wenn auch zeitlich verschoben. Im Wertschriftenhandel kann man als Privatperson jedoch keine Leerverkäufe machen. Hat Frau Hildebrand, welche eine arrivierte Investmentbankerin ist, genau dies gemacht, dann hat sie die Haltefristregelung umgangen und wäre demzufolge zur Rechenschaft zu ziehen. Die Forderung nach Offenlegung der E-mails mit der Bank Sarasin istdabei völlig unwichtig.

Geht man hingegen davon aus, dass die Hildebrand's wegen "Insiderwissens" Dollars gekauft haben, so muss ich dem insofern widersprechen, dass die Bank Sarasin in ihrem monatlichen "Forex Strategy" vom Juli 2011 von einer übertriebenen Baisse der US-Währung spricht und dass eine Umkehr des Trends eher wahrscheinlich sei. Nach einem Kursverlust von über 30% innert kürzester Zeit ist dies denn auch nicht verwunderlich, da aufgrund von vielen Derivatpositionen die Ausschläge in die Gegenrichtung oft heftig ausfallen können.

Dass das interne Reglement über Eigenhandel von Direktoren und Mitarbeitern der SNB nun überprüft und überarbeitet wird (Hildebrand selbst hat dies angekündigt), ist der einzig richtige Weg. Dabei tut die SNB sicherlich gut daran, dieses Reglement im Mindesten dem Bundesrat zur Begutachtung und Gutheissung vorzulegen. Wenn aber jetzt, wie von Herrn Blocher und anderen Politikern gefordert wird, ein generelles Verbot von Devisentransaktionen einzuführen, dann werden nur wieder Tür und Tor für "Vernebelungsaktionen" geöffnet. Zudem müssten dann genau diese Politiker sich ebenfalls die Frage gefallen lassen, ob denn ihre Konten auch offen gelegt werden, bzw. sie einem totalen Verbot von Börsen- und Devisentransaktionen zu unterwerfen, werden doch sehr oft im Rat und den Kommissionen Entscheidungen vorbereitet oder getroffen, welche einen direkten Einfluss auf Unternehmen haben können. So kann ein Entscheid ob Stadlerrail oder Bombardier bevorzugt wird, einen Einfluss auf den Titel der Bombardier und andere kotierte Firmen haben.

Auf jeden Fall sollte mit dieser persönlichen Hetzkampagne auf Herr Hildebrand und seine Familie aufgehört werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Hildebrand wegen einer verhältnismässig kleinen Position sich so die Finger verbrennen würde. Es ist nun Aufgabe des Bankrates der SNB und des Bundesrates, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und die Ordnung herzustellen. Sollte sich im Verlaufe dieses Prozesses doch herausstellen, dass Verfehlungen gegen das bestehende Reglement stattgefunden haben, so zweifle ich nicht, dass die entsprechenden Sanktionen folgen werden. Es muss jedoch, wie BP Widmer-Schlumpf gestern in der Arena richtig festgestellt hat, berücksichtigt werden, wie es zu diesen Indiskretionen kam, nämlich durch eine grobe Verletzung des Bankkundengeheimnisses.

Eine PUK braucht es definitiv nicht, da andere Gremien hier zuständig sind. Die Hetzpolitiker sollten sich allerdings wohl überlegen, ob für sie am Schluss der Schuss nicht nach hinten los geht.

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