Bekenntnis zur Kleptokratie

Kleptokratie - das wissen die gebeutelten Griechen seit jeher – ist die Herrschaft des Langfingers! Das scheint auch die Antwort der Wirtschaftseliten auf ihre Krise des Kapitalismus zu sein.

Die Sonntagszeitung veröffentlichte letzte Woche Neustes aus dem Räuberkäfig: Eine Studie der Obermatt Finance Research legt offen, dass unsere Top-Manager gemessen an ihrer Marktleistung zu viel - viel zu viel - verdienen! Wussten schon marxistische und liberale Ökonomen lange vor uns, dass der durch Arbeit geschaffene Mehrwert in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem irgendwie nicht ganz zum rechtmässigen Eigentümer findet, so stolpern nun die Priester der Weltreligion „Markt und Leistung“ über ihren eigenen Draht. Die Statistiker von Obermatt erstellten eine Art Marktleistungstabelle der 10 bestbezahlten Manager – gut verdaulich für die Wettbewerbs-Junkies des Neoliberalismus! Dabei kam heraus, dass sie alle weit mehr verdienen, als es ihre Marktleistung erlauben würde.
Dabei stechen zwei Figuren besonders heraus: Brady Dougan, CEO Credit Suisse und reichster Bewohner unseres Landes, bekommt 42.7 Millionen mehr Lohn, als ihm nach Marktlogik zusteht (bei 95.4 Mio. fast das Doppelte!). Roche-Chef Severin Schwan – mit der stolzen Marktleistung von 0% - kommt bei 31.5 Mio. Jahressalär noch auf satte 13.5 Mio. Überschuss. Obwohl die Rache der entfesselten Märkte in der Krise nun gegen die Nominallöhne der Top-Manager schiessen, steigen ihre Boni weiter gerade bei Grossbanken unaufhörlich. Wenn man auch den wesentlicheren Faktor der produktiven Arbeit berücksichtigt, der selbst neben dem ewigen Gedöns der Manager-Verantwortung sowieso umstritten in dieser Branche ist, kann man dem Journalisten der Sonntagszeitung Guido Schätti nur zustimmen: „Wertschöpfung ist für den Aktionär kein Kriterium!“

Da die Kleptokratie nun jetzt schon im eigenen Tempel gelyncht wird, muss man für die Politik einen Schluss ziehen. Die Leere-Kassen-Politik der Bürgerlichen ist doppelter Unsinn. Das vermeintliche Sparen fällt auf die aus, bei denen es nichts zu holen gibt; dafür schenken die Finanzanarchos Dougan und Co. gerne wieder massige Steuerentlastungen zu Weihnachten (und zum Rest des Jahres). Um Geld reinzukriegen, würden zwei Initiativen der JUSO Abhilfe schaffen. Zum einen die 1:12-Initiative, die mit solchen Raubzügen trotz steigender Anzahl von working poor Schluss machen würde. Zum anderen die Bonzensteuer-Initiative im Kanton Zürich, welche die angehäuften Vermögen der Superklasse auf von 0.5 auf 1% besteuern würde. Die Wahl liegt beim Souverän. Wollen wir das 5-Räpperli von denen, die sich nicht wehren können, oder den 5-Lieber von jenen, die weit mehr oder weniger nicht mal bemerken würden?

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