Wenn David und Goliath auf der Strasse die Gesetze der Physik vergessen, bleibt auch das beste Sicherheitsdispositiv wirkungslos!

Passibus in Morte!

Die Todesserie von Fussgängerstreifen überquerenden Personen ist zur Zeit eines der medial und politisch meist diskutierten Themen. Leider wird einmal mehr nur nach Sündenböcken gesucht, anstatt die Wirklichkeit am Schopfe zu packen und nach echten Lösungen zu suchen. Die einen meinen es mit 200 Millionen Franken lösen zu können, "Experten" aus dem Amt für Verkehr sind der Überzeugung, dass die CH-Strassen die bestmarkierten sind und andere verunglimpflichen die Sache.

Das heute gültige StVG regelt die Problematik mehr denn gut im Wesentlichen in den Artikeln 26, 33 und 49. Dabei dürfte vor allem Artikel 26 wieder einmal erwähnt werden: > Jedermann muss sich im Verkehr so verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet.

Diese vom Gesetz verlangte Umsicht und gegenseitiger Respekt im Verkehr scheint jedoch nicht sehr viele zu interessieren. Wird vom Autofahrer verlangt, dass er sein Handy im Verkehr in der Tasche lässt, scheint es für den Fussgänger selbstverständlich, sein Gespräch beim Überqueren der Strasse nicht unterbrechen zu müssen und somit seine Aufmerksamkeit ebenfalls nicht dem Verkehr widmet.

Betrachtet man die Problematik einmal sachlich, so kann festgestellt werden, dass die Entwicklung in den letzten 30 Jahren in Bezug auf Verletzten und Toten auf Fussgängerstreifen eine positive ist, wenn auch jeder Tote oder Verletzte im Strassenverkehr einer zu viel ist. Wenn aber David auf Goliath trifft, so muss David schlauer sein, um seinen Kampf gewinnen zu können. Bei der Fahrprüfung lernen wir, dass der Bremsweg eines Autos bei 30km/h rund 9 Meter beträgt. Kommt noch je nach Wetter und Strassenbedingungen eine zuzurechnende Toleranz dazu. Dabei hat der Autofahrer seine Geschwindigkeit vor dem Fussgängerstreifen bereits von meistens erlaubten 50km/h reduziert. Da nützen alle erzwungenen Vortritte nichts mehr, wenn ein Auto gerade mal eine Wagenlänge vor dem Streifen ist, denn die Kollision wird fast unausweichlich. Der Autofahrer seinerseits ist oft machtlos, wenn in der Dämmerung, nachts oder bei starkem Regen ein dunkler Schatten aus dem Nichts, womöglich noch schräg ungebremst Richtung Fussgängerstreifen eilt.

Ich gehe davon aus, dass weder der Automobilist Mordgelüste hat, noch der Fussgänger Suizidgedanken. Wenn jedoch der einen Partei scheinbar unverblümt "Carte Blanche" für jegliches Verhalten erteilt wird, erzieht man den Schwächeren zum scheinbar Stärkeren. Was unseren Kindern gelehrt wird, sollten wir Erwachsene uns auch wieder in Erinnerung rufen: "Warte, Luege, Loose". Es funktioniert und ich bin der Überzeugung, dass damit über 50% der Unfälle eliminiert würden.

Die anderen 50% der Unfälle können durchaus mit Verbesserungen der Markierungen und Signalisierungen aber auch Platzierungen von Fussgängerstreifen reduziert werden. Ich habe mich oft gefragt, wieso in der Schweiz die Fussgängerstreifen gelb sind und nicht weiss, wie in den meisten anderen Ländern. Meines Erachtens, ist der weisse Streifen besser sichtbar, insbesondere bei schlechten Sichtbedingungen. Bei Übergängen mit oranger Strassenbeleuchtung ertrinkt die gelbe Farbe in der Fahrbahn. Die Signalisierungen sind unmittelbar am Fussgängerstreifen und je nach Fahrzeug, dass vor einem fährt gar nicht ersichtlich. Da erstaunt es, wenn Herr Thomas Schweizer von der Vereinigung "Fussverkehr Schweiz" der Meinung ist, das Ausland mache alles falsch und das Problem durch Zupflasterung der Schweizer Strassen mit Mittelinseln lösen möchte. Die Baulobby würde es freuen.

Ich bin vielmehr der Meinung, dass wir mittels vernünftig platzierten Fussgängerstreifen, eine Reduktion derselben (wie bereits auch vorgeschlagen), an schlecht beleuchteten Orten mittels Blinklichtern (die Londoner Blinklichter fand ich immer schön, dezent und effizient) angezeigt und Überprüfung der Sichtbarkeit der gelben Farbe wesentlich mehr in kürzerer Zeit erreichen werden mit erhöhter Kosteneffizienz erreichen werden. So sind zum Bespiel Platzierungen unmittelbar nach Kreiseln problematisch. Ein weiterer Schwerpunkt muss in der erhöhten gegenseitigen Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer stattfinden, einer Gleichbehandlung unter dem StVG aller Verkehrsteilnehmer, inklusive der Fahrräder die meinen bei Rot die Strasse überqueren zu dürfen und das Fussgängerstreifen auch Velofahrstreifen seien.

Heute fühlt sich der Automobilist oft als der Lackierte und der Fussgänger meint sein vermeintliches Recht durchsetzen zu müssen. Ich fühle mich als Fussgänger nur dann als vollwertiger Verkehrsteilnehmer, wenn ich genauso konzentriert unterwegs bin, wie ich dies als Automobilist oder Velofahrer auch sein muss. Wir lösen das Thema mit einem Miteinander, mit gegenseitiger Rücksicht und Respekt. Dabei gewinnen wir nicht nur im Verkehr, sondern gleichzeitig auch in den alljährlich steigenden Gesundheitskosten.

Goliath ist zwar stark, dafür aber schwer und träge, darum muss David schlau sein!

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