Wie hätte es wohl Steve Jobs mit dem Buch gesehen?

Der Schweizer Buchhandel will die Buchpreisbindung. Die E-Book Preise werden darin noch nicht geregelt, dafür hat man nach der Abstimmung im März immer noch Zeit, sagt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV). Wie so viele geht er nämlich davon aus, dass die E-Books im Schweizer Büchermarkt nur 3% ausmachen und die Leute sowieso lieber ein richtiges Buch lesen, weil die Haptik stimmt. Also das Fühlen und schmecken von gedruckten Seiten.

Vor Kurzem schenkte man mir das Buch Steve Jobs, die Biografie mit über 700 Papierseiten. Ich freute mich über das Geschenk, aber nicht darüber, dass ich so einen dicken Schinken beim Lesen in der Hand halten muss. Mein iPad ist da viel angenehmer. An mein iPad habe ich mich so stark gewöhnt, dass Folgendes zuzugeben etwas peinlich ist. Als ich die ersten Seiten der Biografie im Bett lesen wollte, musste ich nochmals aufstehen, weil ich vergass, dass es Licht braucht, um ein Buch zu lesen. Mein iPad leuchtet von alleine. Es war auch ärgerlich mit den Lesezeichen, mein iPad weiss immer, wo ich zuletzt war. Weil mich das Buch und die Person Steve Jobs fesselte, wollte ich auch von unterwegs lesen, nur hatte ich den dicken Schinken nicht dauernd dabei. Mit meinem iPhone wäre dies kein Problem gewesen, denn von dort kann ich auf dasselbe E-Book wie mit dem iPad zugreifen...

Man dürfte jetzt sagen, ich sei halt ein Computerfreak und bilde definitiv nicht den typischen Buchleser ab. Möglich. Aber verwickelt in ein Gespräch mit einer Verfechterin des klassischen Buches sagte ich ganz beiläufig, du hast eine Lesebrille und dann zeigte ich ihr, wie sie bei einem iPad oder Amazon Kindle die Schrift vergrössern kann. Es scheint, als ob nicht nur ich gerne im Bett lese, sie sah zum ersten Mal einen Grund für ein E-Book, sie kann dank frei einstellbaren Schriftgrössen in Zukunft wieder Bücher vor dem Einschlafen lesen. Welch Freude!

Die Musikindustrie glaubte einst auch, dass die Leute keine Onlinesongs wollen. Sie setzten auf alles Mögliche, um die digitale Entwicklung zu verhindern. Auch die Buchindustrie wehrt sich gegen den E-Book Trend. Sie reden sich sogar ein, dass E-Books erst 3% vom Schweizer Buchmarkt ausmachen. Das ist in etwa dieselbe Realität, wie die Musiktauschbörse Napster laut Musikindustrie am Anfang nicht erfolgreich war. Erst als sie den Trend verschlafen hatten, verhalf ihnen Steve Jobs mit iTunes & iPod zu Milliardeneinnahmen. Dumm ist, dass Steve Jobs tot ist. Er wird die Buchindustrie nicht in das neue Zeitalter führen. Sie sollten schon selber merken, wie sie Umsätze generieren. Vielleicht liest Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV) auch seine Biografie. Ich würde es ihm gönnen.

Helfen wir in der Zwischenzeit der Buchindustrie ein wenig und geben wir ihr keinen geschützten Märkten. Sagen wir im Interesse der Buchindustrie Nein zur Buchpreisbindung. Damit sie auch in Zukunft noch Umsätze machen und Gewinne schreiben.

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.