Soll durch eine Änderung der Rechtslage gleichgeschlechtlichen Paaren die gemeinschaftliche Adoption fremder Kinder ermöglicht werden?

Alle Kinder haben ein Recht auf Familie. Ein Paar hat jedoch keinen Anspruch auf ein Adoptivkind. So wird sichergestellt, dass vorrangig immer die Kindesinteressen Berücksichtigung finden - nämlich die bestmöglichen Lebensbedingungen für das Kind.

Das gemeinsame Grossziehen eines Kindes (bzw. von Kindern) von Geburt an durch eine Mutter und einen Vater hat sich ausgezeichnet bewährt - vorausgesetzt diese erfüllen ihre elterlichen Pflichten und sie das beste für ihr Kind wollen. Dies ist in der Fachwelt unbestritten.

Dagegen ist es unter Fachleuten strittig ob sich Kinder entsprechend ihrem persönlichen Potenzial gut entwickeln, wenn sie von Geburt an von zwei Vätern ohne Mutter oder von zwei Müttern ohne Vater grossgezogen werden - diesbezüglich widersprechen sich anerkannte Fachleute diametral (z.b Prof. Nock/Prof. A. Hawkins/Dr. Strohschein vs. Prof. Stacey/Dr. Biblarz oder Prof. Gerhard Amendt vs. Dr. Marina Rupp usw.). Insbesondere liegt nicht ausreichend Datenmaterial vor über die Entwicklung von Kindern, die von Geburt an mit zwei Vätern ohne Mutter aufwachsen. Dazu gibt es keine repräsentive Langzeitstudie. Beispiel: Ähnlich wie es bei anderen Studien zu diesem Thema der Fall ist, lebten >90% der vom deutschen Staatsinstitut für Familienforschung - für den kinderpsychologischen Teil einer relativ aktuellen (2009) Studie (Link ganz unten) - untersuchten Kinder mit zwei Müttern zusammen. Sie hatten dabei auch mehrheitlich Kontakt zu ihren getrennt lebenden Vätern - deswegen sollte man der Studie auch hinsichtlich der Fremdkindadoption keine hohe Aussagekraft zuschreiben. Anzumerken wäre noch, dass für diese psychologische Teilstudie merkwürdigerweise teils minderjährige Kinder (ab 10-jährig) telefonisch zu ihrer Beziehungssituation und ihren Befindlichkeiten befragt wurden was ohnehin kein besonders zuverlässiges Datenmaterial liefert.

Will man eine entsprechende Änderung der bewährten Praxis / Rechtslage - die für Kinder sehr weitreichende und nicht rückgängig zu machende Konsequenzen hat - muss selbstverständlich vorher einwandfrei und auf sachlicher Grundlage sicherstellt sein, dass sie danach - hinsichtlich ihres Wohls und aller ihrer sonstigen in Frage kommenden Interessen - mindestens genauso gut gestellt sind wie vor der Änderung. Ohne weitgehenden wissenschaftlichen Konsens ist dies jedoch sachlich nicht möglich, und es liegt nicht im Interesse der Kinder, eine entsprechende Änderung umzusetzen, um dann möglicherweise in der Zukunft festzustellen, dass diejenige Fachleute recht behalten die Nachteile für die Kindesentwicklung befürchten. Dies nicht zu berücksichtigen, um die Kinderwünsche gleichgeschlechtlicher Paare erfüllen zu können, wäre den Kindern gegenüber unfair, da sie weiterhin problemlos von verschiedengeschlechtlichen Paaren adoptiert werden können.

Recht auf Familie.

Eine Familie kann zwar bereits aus einer Beziehung zwischen zwei Personen bestehen aber potenziell auch aus einer grossen Anzahl von Personen und damit aus einer grossen Vielfalt von verschiedenen familiären Beziehungen. Recht auf Familie schliesst das ungehinderte Recht jede familiäre Beziehungsform erleben zu dürfen mit ein. Die Konstellation und Vielfalt der familiären Beziehungsformen sind grundsätzlich Privatsache. Für das Kind besteht an sich naturgegeben zumindest die Perspektive sowohl die Beziehung zu einer Mutter wie auch die zu einem Vater zu erleben. In der Regel sind diese auch die Hauptbezugspersonen, und für das Kind sehr wichtig. Manch ein Kind muss wegen Entscheidungen im privaten familiären Bereich oder durch eine Fügung des Schicksals auf die Beziehung zur Mutter oder zum Vater verzichten. Der Staat hat jedoch in dieser Hinsicht nicht zu bestimmen.

Dem Staate sollte es nicht zustehen, bei bestimmten Kindern, die Perspektive, dass sie eine Vaterbeziehung und eine Mutterbeziehung erleben könnten, von vornherein und unwiderruflich durch eine seiner Entscheidungen (Adoptionsbehörde / Gericht) auszuschliessen. In einer solchen Vorgangsweise liegen sich Merkmale einer Driskriminierung gegenüber anderen Kindern, die nur in Extremfällen (familiäre Gewalt usw.) von solchen Eingriffen des Staates in dieser Tragweite betroffen sind. Wer kann garantieren, dass die von einer solchen Vorgangsweise betroffenen Kinder es im späteren Alter nicht als Stigmatisierung, Diskriminierung und unnötige Entbehrung empfinden, dass der Staat bestimmte, dass sie entweder die Vaterbeziehung oder die Mutterbeziehung nicht erleben sollten, obwohl dies nicht zwingend notwendig war? Auch aus diesem Grund liegt es nicht im Interesse von Kindern, dass sie von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert werden.

Zur Frage der Diskriminierung homosexueller.

Eine Rechtssprechung des EGMR zur gemeinschaftlichen Adoption eines fremden Kindes durch gleichgeschlechtliche Paare liegt meines Wissens noch nicht vor, sondern einige Urteile zu fällen von Einzeladoptionen homosexueller, die allerdings nicht auf die rechtliche Situationen in allen Ländern übertragbar sind.
Das EMRK beinhaltet kein Recht auf Adoption. Bei der Adoption eines fremden Kindes durch ein Paar liegt ein Anspruch des Kindes auf eine Familie vor. Ein Paar hat jedoch keinen Anspruch auf ein Adoptivkind. Die Kindesinteressen sollten immer Vorrang haben. (Art. 3 Kinderrechtskonvention). Wenn es im Interesse eines Kindes ist, dass es von einem verschiedengeschlechtlichen Paar
adoptiert wird, sollte man darin weder eine Bevorzugung heterosexueller noch eine Diskriminierung homosexueller erkennen, da es sich lediglich um die beste Entscheidung für das Kind handelt. Für eine künftige Beurteilung dieser Frage könnten u.a. für das EGMR von Bedeutung sein: das Adoptionsrecht und dessen Umsetzung durch die Behörden des Herkunftstaates eines Beschwerdeführers, der aktuelle Stand der Wissenschaft und eine Abwägung zwischen dem Anspruch des Staates auf Souveränität/Beurteilungsspielraum und den Verpflichtungen im Rahmen des EMRK.

Eine Politik im Sinne der Kinder heisst für mich auch, dass die gemeinschaftliche Adoption eines fremden Kindes verschiedengeschlechtlichen Paaren vorbehalten sein sollte.

Link zur erwähnten Studie: http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/Forschungsbericht_Die_Lebenssituation_von_Kindern_in_gleichgeschlechtlichen_Lebenspartnerschaften.pdf?__blob=publicationFile

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