Das Trauerspiel von Bettwil und Birmensdorf!

Es ist unsäglich, was für eine Wucht an Vorurteilen und Hass Asylsuchenden in der Schweiz von gewissen Kreisen entgegen schlägt.

In Bettwil kämpft eine Gemeinde gegen die Unterbringung von Asylsuchenden durch den Bund und würde dem Projekt nur zustimmen, wenn die Asylbewerber interniert würden. In Birmensdorf muss die Gemeinde eine "Asylantengasse" bauen, damit die Asylsuchenden ja nicht das Quartier durchqueren! Bitte was? Sind wir bereits so weit gekommen? Internierung von Menschen und eine "Asylantengasse", um den "Asylanten" ja nicht zu begegnen?!

Wo bleibt die humanitäre Tradition der Schweiz? Natürlich kann man nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, aber diese Menschen verdienen ein sauberes und faires Verfahren. "Unechte" Flüchtlinge müssen das Land wieder verlassen, echte sollen bleiben dürfen!

Das Kapazitätsproblem bei den Unterkünften haben wir den von Ex-Bundesrat Christoph Blocher veranlassten Kürzungen zu verdanken, der von jährlich 10'000 Asylgesuchen ausgegangen ist, eine unrealistisch tiefe Zahl, zumal wir seit den 90er Jahren immer über 10'000 Asylgesuche in der Schweiz hatten (1995 sogar über 47'000 Gesuche, 2001-2003 sogar über 20'000 Gesuche pro Jahr).

Die Bettwiler befürchten das Schlimmste: Eine Mutter hat gegenüber der Sonntagszeitung Tränen in den Augen, weil sie ihre Kinder nicht mehr draussen spielen lassen kann, wenn die Asylbewerber kommen, ein anderer warnt davor, dass die "Perle Bettwil" zerstört wird und wieder einer fürchtet sich, dass die Bettwiler Frauen blöd angemacht werden. Dabei haben die meisten Gemeinden, die Asylsuchende aufgenommen haben, kaum schlechte Erfahrungen gemacht, weswegen diese Gemeinden jetzt auch wieder Asylsuchende aufnehmen. Bettwil & Co. sollten sich einmal ein Beispiel daran nehmen und ihr festgefahrenes Weltbild zumindest kleines Bisschen öffnen!

Auch wenn man sich das in gewissen Dörfern offenbar nicht vorstellen kann, aber auf dieser Welt geschehen furchtbare Menschenrechtsverletzungen. Wir bewundern und applaudieren die Leute der arabischen Welt für ihren Mut, wenn sie sich gegen ihre Diktatoren auflehnen. Sobald diese Konflikte aber Flüchtlingsströme auslösen, schlägt die Bewunderung in Ablehnung um. Wie gesagt, natürlich können wir nicht alle aufnehmen, aber als humanitäres Land haben wir gefälligst auch einen Beitrag zum Schutz Verfolgter zu leisten.

Diese Vorurteile, dieser Hass, dieses kollektive Verunglimpfen ist höchst unschweizerisch und unserem Land nicht würdig. Weiter könnte man von der humanitären Schweiz und der Bundesverfassung, die besagt, dass sich die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen misst, nicht weg sein! Die Bettwiler & Co. sind also keine urschweizerische Helden im Kampf gegen die Obrigkeit, sie sind das pure Gegenteil davon!

Ein Bettwiler fürchtet sich vor der Vorstellung, 20 Tunesiern an einer Bushaltestelle zu begegnen. Bei dieser Welle an Hass und Vorurteilen stellt sich allerdings die Frage, vor wem man sich in diesem Land wirklich fürchten sollte!

Statt Menschen auf der Flucht mit Ablehnung und Vorurteilen zu begegnen, wäre etwas mehr Offenheit, vor allem aber mehr Menschlichkeit angebracht. Alles andere ist unserem Land unwürdig!

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