Ja zur eidg. Volksinitiative „6 Wochen Ferien für alle“!

Der Bundesrat pocht in seiner Botschaft zur Initiative auf den Vorrang der vertraglichen vor der gesetzlichen Regelung des Ferienanspruchs der Arbeitnehmenden. Er verkennt dabei die Tatsache, dass sich die Arbeitgeber mit ihren Branchenverbänden besser absprechen und ihre restriktive Haltung gegenüber mehr Ferien wirksamer durchsetzen können als die heute relativ schwachen Gewerkschaften mit ihren wenigen Mitgliedern. Zudem ist ein Streik für mehr Ferien öffentlich weniger vermittelbar als die geheimen Absprachen der Arbeitgeber, nach denen mehr Ferien ja immer wirtschaftlich schädlich sein sollen. Das stimmt aber nicht. Im Gegensatz zu manchen Befürchtungen trat bei Freizeitverlängerungen bisher keine Sozialproduktsverminderung ein. Arbeitszeitverkürzungen können ein Mittel zur Überwindung von konjunkturellen Schwächen sein, da die Unternehmungen gezwungen werden, den technischen Fortschritt auszunützen, d.h. zu investieren. Zum Konsum gehobener Bedarfsgüter benötigt man zudem in hohem Masse Zeit – der gehobene Bedarf ist weitgehend zeitintensiv (z. B. Tourismus, Sport, Kultur). Deshalb kann der nachfrageinduzierte Effekt der Freizeitverlängerung den kostensteigernden Effekt der Verkürzung der Arbeitszeit gesamtwirtschaftlich mildern.

Die Arbeitszeit sollte möglichst langsam in kleinen Schritten und Etappen verkürzt werden, um die Anpassungsprozesse zu erleichtern. Die Berufstätigen sprechen sich eindeutig für eine Verlängerung des Urlaubs aus, statt Kürzung des Arbeitstags oder der Arbeitswoche. Mehr Ferien sind auch als Kompensation für die langen Pendelzeiten und den Stress der Pendlerei zu sehen.

Ein hohes Niveau an Arbeitsleistung an sich ist noch kein Anzeichen für ein hohes Wohlfahrtsniveau. Das richtige Mass der Wohlfahrt muss sowohl die Freizeit als auch die Güter berücksichtigen. Das Wohlfahrtsniveau einer Gesellschaft setzt sich aus der Güterversorgung und dem Freizeitausmass zusammen.

Freizeit kann auch ohne jeglichen Konsum irgendwelcher Güter und Leistungen genutzt werden. Siehe dazu mein Artikel „Lob der Freizeitgesellschaft“.

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