Statt Unternehmen schwächen, Aktionäre stärken. Eine bessere Alternative zu 1:12

Die Managerlöhne sind ein ewiges Thema. Seit ende der 80er wird über überrissene Saläre geklagt. Verdiente der Chef der Vorgängerbank der UBS, Nikolaus Senn noch etwa gleichviel wie ein Bundesrat, gingen die Löhne des Top-Kaders nach dem Jahr 2000 durch die Decke. Mit allerlei Geschrei wurde auf die Herren im Anzug mit dem Finger gezeigt und die Löhne veröffentlicht. Ich behaupte, diese Transparenz hat in erster Linie den umgekehrten Effekt, http://www.politnetz.ch/beitrag/10919, statt das die Löhne sinken, steigen sie nur noch mehr.

Gibt es Handlungsbedarf?

In der Wirtschaft wollen wir keine Bevormundung wie 1:12. Wir können nicht nachvollziehen, was es jemanden angeht, wie das Geld in der Firma verteilt wird. Dabei geht es nicht allein um die Managerlöhne, es geht ums Prinzip. Warum sollte die Öffentlichkeit bestimmen, was mit dem Geld anderer Leute passiert? Schliesslich und endlich tragen wir die Vernatwortung, wenn es schief geht. Bitte kommt nicht mit dem Beispiel UBS, es gab mehr staatliche Banken, die Pleite gingen als Private, http://www.politnetz.ch/beitrag/12025. Wenn in einem demokratischen Land sich aber genügend Menschen über eine Sache nerven, kann per Gesetz eine unsägliche Bestimmung wie 1:12 eingeführt werden und das Volk nimmt uns Unternehmen ein Stück Souveränität weg.

Ist es richtig, dass die Löhne begrenzt werden?

Es gibt Untersuchungen, dass Unternehmen mit einer kleineren Lohndifferenz zwischen Managern und Arbeitern rentabler sind. Gleichzeitig ist es durchaus möglich, dass diese Initiative uns massiv schadet, weil womöglich erfolgreiche Unternehmen unser Land verlassen und später auch die Arbeitsplätze mitnehmen. Wie sich eine solche Initiative auswirken wird, kann niemand sagen.

Eine Alternative?

Weil wir keine 1:12 Initiative wollen und trotzdem die Gefahr einer Volksbevormundung sehen, müssen wir uns überlegen, gibt es für Alternativen? Es steht ausser Frage, dass Anzreizsysteme zu einem bestimmten Verhalten führen. Gut möglich, dass manch eine Bank, in der Top-Saläre bezahlt wurden, die falschen Anreize setzte. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Forderung nach Transparenz zu einem Anstieg der Löhne führt. In diesem Sinn sollten wir uns überlegen, wie setzen wir bessere Anreizsysteme um. Denn 1:12 ist definitiv das falsche Mittel, wollen wir auch weiterhin Spitzenunternehmen in der Schweiz behalten.

Im alten Rom mussten die Architekten von Brücken bei der Eröffnung unter die eigene Brücke stehen. Man kann sich vorstellen, warum diese Regel eingeführt wurde. Architekten schlampten wohl vorher und manch eine Brücke krachte unter dem Druck der Leute zusammen. Mit der neuen Regel, war es unwahrscheinlich, dass ein Brückenbauer minderwertigen Mörtel nahm... Die Frage ist also, wie könnte ein besseres Anreizsystem aussehen?

Mein Vorschlag MS/E

Menschen lieben Kennzahlen. Ein Film hat 3 von 5 Sterne. Ein Game erreichte ein 87% Wertung. Stiftung Warentest vergibt ein Gut. Das Audiomagazin erteilt die Bestnote 1+. Solche Kennzahlen gibt es auch bei den Aktien. Eine davon ist der P/E (http://de.wikipedia.org/wiki/Kurs-Gewinn-Verhältnis). Dabei wird gemessen, wie hoch ist der Kurs einer Aktie und wie viel Gewinn erwirtschaftet sie. Die Novartis hat einen P/E von 12.61. Das ist anständig und zeigt, dass in dieser Aktie keine übertriebene Fantasie steckt. Ähnlich ist es mit IBM, welche einen P/E von 14.95 hat. Im Preis von Google steckt mit einem P/E von 21 schon mehr Fantasie. Wenn Sie eine sichere Aktie wollen, nehmen Sie eher Novartis, wenn Sie eine mit etwas mehr Risiko wählen, ist es Google.

Diese einfache Zahl kann über Milliarden entscheiden. Warum also nicht einen MS/E einführen? Der MS/E ist das Management Salary im Verhältnis zum Gewinn der Firma. Also wie viel verdient das gesamte Top-Management im Verhältnis zum Gewinn. Die Aktionäre könnten ohne Weiteres sehen, ob sich ein Management unverschämt bedient oder ob sie sich im Verhältnis anständig verhalten. In jedem Land könnte statt einer Schandliste: Das sind “die Verbrecher” mit den höchsten Löhnen, eine Rangliste der besten Manager gekürt werden. Und welcher Manager ist nicht eitel genug, um auf diese Liste der vorbildlich geführten Unternehmen zu kommen?

Für ein Management wäre es ein guter Anhaltspunkt, sich am Markt zu differenzieren. Läuft es nicht, kann es mit einem einfachen Schnitt der Managementsaläre dafür sorgen, dass der MS/E besser dasteht und die Aktionäre erkennen, welche Manager verantwortungsvoll mit ihrer Firma umgehen. Geht der ME/S durch die Decke, weil sich das Management unverschämt bedient, werden die Aktionäre durch Verkäufe wahrscheinlich disziplinierend einschreiten. Selbstverständlich besteht die Gefahr, dass sich dieser Wert nach oben bewegt, aber es ist ein Wert, der von den Aktionären und Mitarbeitern akzeptiert wird.

Ich halte die Stärkung der Aktionäre für den besseren weg, als die Unternehmen mit 1:12 zu schwächen. Ich werfe mal diesen Hut in den Ring und bin gespannt, was zurückkommt.

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