Ermottis Schritt in die richtige Richtung

Kein anderes Unternehmen in der Schweiz steht so unter Dauerbeobachtung wie die UBS. Praktisch jede Geschäftstätigkeit wird von den Medien und der breiten Öffentlichkeit ausgeschlachtet. Als wäre jeder Schweizer Bürger Aktionär der UBS hat er das Gefühl, den Geschäftsgang kommentieren zu können. So war es auch nicht anders beim Investorentag der UBS vor knapp zwei Wochen.

Nun hat also der neue CEO Sergio Ermotti die neue Strategie präsentiert und dabei wichtige Entscheide getroffen: So will sich die Bank mehr auf den Heimmarkt Schweiz fokussieren und verabschiedet sich aus dem spekulativem und kapitalintensivem Eigenhandel im Investment Banking. So werden die Risikogewichteten Aktiven im Investment Banking von heute 300 Mrd. Franken auf noch rund 145 Mrd. Franken im Jahr 2013 abgebaut. Zudem soll ein nachhaltigeres Geschäftsmodell ein Cost/Income Ratio von ca. 65 % garantieren, ein für die Branche guter Wert. Diese Schritte wurden von den Beobachtern als wichtig gedeutet, allerdings schickten die Märkte die UBS Aktie nach einem kurzen Hoch wiederum auf Talfahrt. Ob das jetzt als Misstrauensvotum gegen den Ermotti gewertet werden soll oder ob irgendwo noch was im Busch ist, sei dahingestellt.

Es wäre an der Zeit, der UBS für diese Schritte Respekt zu zollen. Keine Unternehmung der Welt gibt gerne Geschäftsfelder auf, auch wenn diese nicht besonders attraktiv waren. Dass sie die Bereiche in der Investment Bank endlich mehr auf den Kundenfokus richtet und sich vom riskanten Eigenhandel verabschiedet, ist ein erfreulicher und vor allem nötiger Schritt. Das Investment Banking ist für unsere Wirtschaft unverzichtbar und eine Bank wie die UBS mit einem solchen grossen Know-How in diesem Bereich zu verlieren, wäre fatal gewesen. Deshalb waren die Rufe der breiten Masse, die der UBS den Ausstieg aus dem Investment Banking andrehen wollten, nicht sonderlich überdacht.

Der Abschied aus den riskanten Bereichen im Eigenhandel stärkt zudem die Vermögensverwaltungen, die Kernbereiche der Bank. Dies war auch bitter nötig, denn diese Bereiche haben nicht nur bei der UBS, sondern auch bei weiteren Banken stets gute Resultate erzielt, mussten dann aber unter den miesen Ergebnissen der Investment Bank leiden. Zusätzlich gab es durch diese Konstellation keine neuen Arbeitsplätze, beziehungsweise es wurden sogar Arbeitsplätze in rentablen Geschäftsfeldern gestrichen, nur weil diese riskanten Bereiche so kapitalintensiv waren und zudem noch kräftig rote Zahlen schrieben.

Es muss ein „Back to the Roots“ Umdenken stattfinden, hin zu mehr Kundenfokus in allen Bereichen der Banken und weg vom spekulativem Geschäft auf eigene Rechnung. Durch die verschärften Eigenmittelvorschriften durch Basel III und den Swiss Finish, werden solche Geschäfte auf Dauer so oder so unattraktiver (und das ist auch gut so). Gleichzeitig muss sich aber auch die öffentliche Lage etwas entspannen, damit man die Banken wieder in Ruhe arbeiten lassen kann und den verlorenen Vertrauensverlust wieder wettmachen zu können. Dies geht aber nur, wenn nicht wieder unverständliche Personaleinschnitte vorgenommen werden und wenn man sich, wie oben bereits genannt, wieder an den Wurzeln des Bankgeschäfts ausrichtet und zwar auch im (immer noch lukrativem) Investment Banking.

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