Macht Blocher die Merkel?

Angela Merkel ist die mit Abstand mutigste, intelligenteste und konsequenteste Politikerin. Man mag ihr diese Attribute absprechen, aber nur, solange man auf ihre unscheinbare Art hereinfällt.

Seit ihrem Aufstieg als Kohls Liebling hat sie mehrfach bewiesen, was für eine abgebrühte Taktiererin und Machtpolitikerin sie ist. Ihr Ziehvater Kohl stand mitten im Spendensumpf, keiner aus seinen Reihen hätte den Mut aufgebracht, ihn infrage zu stellen - anders Angela Merkel. Sie analysierte die Situation, dachte, wie eine Schachspielerin, die verschiedenen Szenarien durch und als sie den richtigen Zeitpunkt gekommen sah, setzte sie zur Attacke gegen Kohl an. Im Handstreich übernahm sie die CDU.

Mit derselben stoischen Ruhe räumte sie danach einen Konkurrenten nach dem Anderen aus dem Weg. Schröder? Abgewählt. Stäuber? Nach Berlin geholt, gewogen und wieder nach Hause geschickt. Christian Wulff? Wegbefördert. Nach demselben Schema packt sie auch jede politische Herausforderung an. Hat man von Merkel anfangs etwas zur Euro-Krise gehört? Nein. Während alle anderen auf Panik schalteten, beobachtete sie kühl die Situation, spielte die Szenarien durch, und als sie den Zeitpunkt zum Handeln sah, übernahm sie das Heft. Jetzt tanzen alle nach ihrer Pfeife. Ausser vielleicht Englands Premier Cameron. Darum ätzt sie wohl auch, “dann sollen die Engländer doch aus der EU aussteigen...” sie ist schon wieder am Taktieren.

Was hat das mit Blocher zu tun?

Blocher ist mehr wie Kohl. Dick im SVP-Geschäft drin, die SVP’ler mögen ihn nicht nur, sie verehren ihn und keiner weit und breit, der seine Macht antasten will. Blocher, im Spätherbst seiner politischen Karriere, scheint konsequent nach dem Vorbild Merkel zu schauen, dass seine ärgsten Konkurrenten ihm nicht zu nahe kommen.

Blocher umgibt sich mit Jasmin Hutter (ehemals), Natalie Rickli, und hält sich als Parteipräsident Toni Brunner. Alle auf ihre Art sympathisch, aber kein Potenzial politische Schwergewichte zu werden (zumindest hoffe ich, dass es in der Schweiz dazu mehr braucht).

Blocher weiss, dass seine Partei vor dem Auseinanderbrechen steht. Nach ihm hat niemand die Kraft, diese Partei zusammenzuhalten und einen ernsthaften Nachfolger will er nicht aufbauen. In seiner Partei schlagen zwei Herzen. Die Fremdenfeindlichen und die Konservativen/Wirtschaftsnahen.

Blocher ist nicht fremdenfeindlich, vielmehr hält er sich diese Gruppe als “Stimmvieh”. Einer wagte es zweimal in Folge diese Gruppe ohne Blochers Gnade anzusprechen. Lukas Reimann setzte ungefragt die Minarett- und die Ausschaffungsinitiative aus Tapet. Blocher weiss um die Gefahr, welche von dieser Ecke ausgeht und so hält er Lukas Reimann, entgegen seines Potenzials, weit weg von den entscheidenden Stellen der Partei.

Auf der anderen Seite steht Peter Spuhler. Thurgauer Unternehmer und Sympathieträger über die Parteigrenzen hinaus. Seine zaghaften Attacken nach der Abwahl Blochers waren mutlos und von wenig Erfolg gekrönt. Blocher scheint ihm auch nicht mehr zu gönnen und so liest man in der aktuellen Weltwoche ein Loblied auf den Unternehmer Spuhler, der doch pflichtbewusst seinem Land dienen soll und sich als Bundesrat zur Verfügung stellen soll. Blocher würde ihm auch die Stadler-Rail abkaufen. So beförderte Merkel schon Bundespräsident Wulf aus ihrer Gefahrenzone. Vom Parteirivalen zum deutschen Bundespräsidenten.

Wer glaubt, dass Köppel ohne entsprechende Signale von Blocher diesen Artikel schrieb? Man könnte sagen, dies war eine Merkel. Aber nur fast, denn Merkel hätte dies noch zwei Stufen raffinierter gemacht.

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