Armut, soziale Desintegration, Einsamkeit, Trostlosigkeit. Nur Mitmenschlichkeit kann die psychosozialen Folgen der Armut lindern.

Armut ist in den Medien ein Thema. Regelmässig wird über die Armut berichtet, im TV werden arme Leute und ihre Schicksale vorgestellt.
Armut hat psychosoziale Ursachen. In der Schweiz sind die meisten armen Menschen materiell gesichert. Kinder die nichts zu essen haben und kranke Menschen, die in ungeheizten Wohnungen erfrieren, gibt es (noch) nicht.
Krankheit und Armut hängen zusammen. Viele arme Menschen werden unverschuldeterweise krank und sitzen einsam zu Hause. Die Krankheit schränkt ihren Bewegungsradius ein und schliesst sie aus dem sozialen Leben aus.
Wer krank ist, der kann sich nicht mehr selber helfen. Er ist zur Untätigkeit und zum Elend verdammt. Das Schweizer Sozialwesen ist nicht für den Umgang mit kranken und einsamen Menschen gerüstet. Diese kommen zu kurz und müssen ein menschenunwürdiges Leben fristen.
Als das Soziale Netz geknüpft wurde, war es unvorstellbar das eines Tages die Menschen aus ihrer Umwelt und Familien herausfallen könnten. Versuche mit der ambulanten Betreuung von Psychiatrie Patienten und Bedürftige sind eine gute Sache. Aber keine ambulante Betreuung ersetzt das verlorene soziale Umfeld.
Kranke und einsame Menschen melden sich nicht mehr zu Worte, sie habe ihre Stimmen verloren.
Die neue Armut, die in den letzten Jahren entstanden ist, betrifft Menschen, die ihren sozialen Status und ihre Arbeit verloren haben. Akademiker und Facharbeiter, die nach dem fünfzigsten Lebensjahr ihre Arbeit verloren und keine Neue gefunden haben, sind die typischen Absteiger.
Diese neue soziale Schicht, das Prekariat beklagt lautstark ihr Schicksal. Der Verlust von Erwerb und Ansehen ist ein psychosozialer Schock, der nicht ohne Weiteres zu verkraften ist.
Der Perkariarer kann sich selber nicht helfen. Kraft seines ehemaligen Status konnte er am Wohlstand teilnehmen und sich alle Güter und Dienstleistungen kaufen.
Wer nicht gelernt hat, für sich selber zu haushalten und die Dinge des Alltags selber zu fertigen, der hat es schwer. Er ist hilflos, wenn er mit 50 Jahren seinen Status und seine Möglichkeiten verliert.
Obwohl der Perkariarer materiell gesichert ist, kommt er mit seiner Situation nicht klar. Wer vor 10 Jahren im Gourmettempel essen war, der hat ein Problem, wenn er sich von reduzierten M-Budgetprodukten ernähren muss.
Was für den ehemaligen Abteilungsleiter kein Geld ist, ist für den kleinen Mann ein Vermögen.
Menschen die Vermögen, Erwerb und Ansehen verloren haben, brauchen keine höheren Sozialhilfebeiträge, sondern Betreuung und Beratung.
Die soziale Entwicklung der letzten 20 Jahre lehrt, dass es keine Garantie dafür gibt, das ein erworbener sozialer Status bis ans Lebensende erhalten bleibt. Wer mit 35 Jahren Abteilungsleiter ist, der kann mit 52 Jahren ein unvermittelbarer Arbeitsloser sein.
Sozialhilfe sollte nicht nur aus Geld bestehen. Sozialhilfe sollte auch Unterstützung und Betreuung sein. Das Geld reicht zum Leben, aber mehr nicht. Nur die Betreuung hilft Perspektiven zu finden und neue soziale Kontakte, zu knüpfen.

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