Im Kampf gegen die Kinderprostitution

Ich hoffe, dass stren­gere Mass­nah­men gegen Kin­der­pro­sti­tu­ti​on Kin­der und Ju­gend­li­che bes­ser schützen. Ge­rade Kin­derpor­no­gra­fie​ im In­ter­net sei eine Ge­fahr, die auch straf­recht­lich an­ge­gan­gen wer­den müsse.

Der ungarische Staatsminister für soziale Integration war kürzlich in der Schweiz und kritisierte, dass bei uns die Prostitution bereits ab 16 Jahren erlaubt sei. Er beschwerte sich, dass der Nachtzug aus Budapest nach Zürich immer sehr gut besetzt sei mit Bandenführern und jungen Frauen. Viele dieser Mädchen hätten gefälschte Papiere und wären tatsächlich erst 14 oder 15 Jahre alt. Sie würden mit falschen Versprechungen in die Schweiz gebracht und müssten dann - oft unter Druck oder Gewalt - ihren jungen Körper verkaufen. Vom Geld selber bliebe fast nichts. Er stellte fest, dass für ihn eine 16-Jährige noch eine Minderjährige sei, für die Schweizer Gesetze offensichtlich nicht.
Das gesetzliche Schutzalter in der Schweiz liegt bei 16 Jahren. Ab diesem Alter können Jugendliche ihr Bild für pornografische Zwecke zur Verfügung stellen und Sex gegen Geld anbieten. Bezahlte sexuelle Kontakte – wenn beide damit einverstanden sind, sind ab 16 Jahren nicht strafbar. Im Vergleich zu andern Ländern ist das eine eher liberale Regelung. Sie gab immer wieder zu reden, weil auf dem Strassenstrich ganz junge Mädchen - vor allem aus Osteuropa - keine Seltenheit sind.

Nun will der Bundesrat die Kinderprostitution wirksamer bekämpfen. Dazu hat er im August eine Revision des Strafgesetzbuches in die Vernehmlassung geschickt. Neu soll käuflicher Sex mit 16- und 17-jährigen Jugendlichen unter Strafe gestellt werden. Und zwar nicht die Prostituierten sollen bestraft werden, sondern ihre Freier. Vorgeschlagen wird eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Bis heute ist die Schweiz eines der wenigen Länder Europas, wo käuflicher Sex mit solchen Jugendlichen nicht strafbar ist. Damit schliesst der Bundesrat eine Lücke im Strafgesetz.

Schutz bei der Kinderprostitution ausdehnen

Ausserdem will man auf Bundesebene endlich auch den Schutz bei der Kinderpornografie ausdehnen. Die Kinder und Jugendlichen sollen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr vor der Mitwirkung bei sexuellen Darstellungen geschützt werden. Wer solche Filme oder Gegenstände mit sexuellen Handlungen oder Gewalttätigkeiten herstellt, einführt, lagert, anbietet oder erwirbt soll mit Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren bestraft werden. Hoffen wir, dass diese strengen Massnahmen Kinder und Jugendliche vor sexueller Ausbeutung besser schützen können.
Verschiedene​ Vorstösse im Parlament forderten diese Verschärfung des Strafrechts schon lange. Das wäre auch Bedingung, um der Europarechtskonventio​n zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch beizutreten. Das ist das erste internationale Instrument, das die verschiedenen Formen sexuellen Kindesmissbrauchs umfassend für strafbar erklärt. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten den sexuellen Missbrauch von Kindern, Kinderprostitution, Kinderpornografie und die erzwungene Teilnahme von Kindern an pornografischen Vorführungen unter Strafe zu stellen.
Als meine Kinder noch im Schutzalter waren, fand ich es als Mutter eine der schwierigsten Aufgaben ihnen mitzugeben, sie dürfen nie in ein fremdes Auto steigen, oder sie dürften nie mit jemandem mitgehen, der ihnen Süssigkeiten verspricht. Einerseits musste ich sie misstrauisch machen gegen Unbekannte, andrerseits wollte ich doch, dass sie aufgeschlossen und freundlich gegenüber andern Menschen sind. Dieser Spagat fiel mir nicht leicht.
Doch heute scheint es mir für die Eltern noch schwieriger: Sie haben nicht nur den Schulweg oder die Strasse zum Fussballplatz, auf denen Gefahren lauern könnten, sondern immer mehr hört man von Leuten, die per Internet versuchen mit Kindern in Kontakt zu treten, um sie zu sexuellen Handlungen zu motivieren oder zu einschlägigen Treffen einzuladen. Das sind neue Herausforderungen, neue Gefahren, die auch strafrechtlich angegangen werden müssen.

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