Soll die CVP Eveline Widmer-Schlumpf ihre Stimme geben?

Eine Frage welche momentan wohl viele beschäftigt, in und ausserhalb der CVP. (M)Eine Meinung dazu, allerdings - ich nehme es vorweg - noch nicht abschliessend.

EWS macht einen guten Job als Bundesrätin. Das "Verraten der eigenen Partei" welches SVP und Blocher-Getreue ihr nachtragen interessiert mich nicht sonderlich. Persönlich macht die Frau auf mich einen integeren Eindruck.

Die SVP hat zwei Bundesräte zugute, das sagt das Wählerverdikt klar. 200 geteilt durch 7 ergibt 28,5. Sagen wir grob, für 28 Nationalräte gibt es einen, für 57 zwei Bundesräte. Diese müssen in meinen Augen zwar nicht unbedingt genau dieser Partei entspringen, allerdings glaube ich nicht, dass sehr viele SVP Wähler sich durch EWS vertreten fühlen. 54 Nationalräte ergibt also (aufgerundet) zwei Bundesräte. Wer diese zwei sein werden, will ich hier nicht thematisieren.

Schwieriger wird es bei der SP. 45 Sitze ergeben offensichtlich auch zwei Bundesräte, soll man den meisten Stimmen glauben. Bloss fehlen da matheatisch gesehen 12 Stimmen. Bei den Grünen sind 15 Sitze 13 zuwenig um einen Bundesrat zu bekommen. Beide zusammen haben aber sehr gut 2 Bundesräte zugute, welche wohl auch inhaltlich ungefähr gleiche Interessen vertreten. Dass die Grünen immer leer ausgehen ist hierbei aber ja auch nicht das Problem der CVP und der anderen in der Mitte, es geht ja um die Frage nach EWS.

Nun kommt die einfachste Frage. Die CVP hat 28 Sitze und eine Bundesrätin. Konkordanz, aber hallo! Ganz nebenbei macht Doris Leuthard auch noch den besten Job in diesem Gremium :-)

Es bleiben noch 2 Sitze, jedoch 3 bisherige, welche diese beanspruchen. Jetzt kommt die Crux der ganzen Sache. 30 Nationalräte der FDP ergeben keine 2 Sitze. Nicht wenn sie nicht noch andere Stimmen auf sich vereinen können. Die BDP will ihren eigenen Sitz jedoch verteidigen, deren Stimmen bekommt sie genausowenig, wie die der zweiten Wahlsiegerin GLP. Soll die CVP dem Freisinn die Stange halten? Was für Gründe dafür gäbe es, es fallen mir gerade einfach keine ein.

Eveline Widmer-Schlumpf hingegen hat gerade mal 9 Sitze hinter sich, das sind auch zuwenige um eine Bundesratspartei zu sein. Selbst wenn man die 12 Sitze der GLP - welche EWS gemäss eigenen Aussagen unterstützen will - dazuzählt, fehlen noch 7 zum Bundesrat. Plus, was für einen Grund hat die CVP, einer Bundesrätin die Chance zu geben, sich und ihre Partei in ein gutes Licht zu stellen, wenn sie ihr dann in 4 Jahren mit sehr ähnlichem Programm noch einmal Wähler abspenstig machen will? Es ist in der allgemeinen Euphorie der Jungen, Unerfahrenen und Neuen auch nicht gerade viel Wille erkennbar, mit den alten, angestammten Mitteparteien eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Eher schielen sie offen darauf diese in den nächsten Jahren zu verdrängen.

Dann gibt es noch die Variante, welche von linken Kreisen sehr bevorzugt wird. SVP aus dem Bundesrat schmeissen, alle bisherigen wiederwählen, plus einen oder eine Weitere. Das dies aber kein CVP Bundesrat, respektive keine CVP Bundesrätin wird ist ja klar. Eher jemand von den Grünen. Es scheint mir, dass mit dieser Variante viel Geschirr zerbrochen und die Wähler am wenigsten respektiert werden, ein Gewinn für die CVP oder die Schweiz als gesamtes ist nicht wirklich zu erkennen. Dies sage ich mit der klaren Überzeugung, dass die gemeinsame politische Arbeit die Schweiz weiter bringt als ein Politik mit Regierung und Opposition, mag ich mir auch manchmal die Haare raufen über Polparteien, welche einfach keinen Konsens zustande bringen. Eine strukturierte Opposition würde zwei Pole fördern, welche sich gegenseitig neutralisieren.

Es läuft also eher darauf hinaus, EWS oder JSA zu Gunsten eines SVP nicht wiederzuwählen. Nicht gerade etwas, was die CVP gerne macht...

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