Der Erfolg der Grünliberalen ist die Niederlage der FDP und dessen Präsidenten.

Der Erfolg der Grünliberalen ist die Niederlage der FDP und dessen Präsidenten. Herr Pelli zeichnet sich durch sein taktisches Geschick aus. Er ist ein Stratege, ein Strippenzieher aber kein Visionär. Er konzentrierte sich auf das wichtige klein-klein im Parlament und verpasste die mutige grosse Linie.

Die FDP baute diesen Staat mit der Idee einer liberalen Gesellschaft auf und nach der grossen Zäsur 1992, dem EWR-Nein, war es wiederum die FDP, welche in Zusammenarbeit mit Economiesuisse konsequent auf die Öffnung der Schweiz hinarbeitete.

Unsere Partei versteht es nicht - und das seit Jahren - , diese Erfolge zu verkaufen. Mit dem Aufstieg der SVP und im Zuge des Swissair-Debakels, begann ein langsamer aber kontinuierlicher Sinkflug. Realpolitisch hat die FDP immer noch grossen Einfluss in der Schweiz. Im Wahljahr 2011 verliert sie aber erneut bei den Wählern. Fukushima und die Finanzkrise dürfen nicht als Ausreden herhalten. Im Gegenteil, diese zwei Themen boten sich an, um zu punkten. Auch wenn sich die Schweiz einen schnellen Atomausstieg wünscht, so ist dennoch den meisten Menschen im Land bewusst, dass es viele Fragezeichen gibt. Die FDP verstand es nicht, ihre eigene Zerrissenheit in dieser Frage zu zeigen und mit Mut den Umbau anzupacken. Jene Partei, die für alle grossen Infrastrukturprojekte in diesem Land verantwortlich war, hätte mit dieser Frage punkten müssen.

Auch die Finanzkrise bot der FDP eine riesige Chance. Wer, wenn nicht die Wirtschaftslenker, hätten in diesen turbulenten Zeiten Antworten geben müssen? Unser Bundesrat Schneider-Ammann war eine Enttäuschung. Ein Wirtschaftskapitän der zum Bundesrat wurde und in einer schwierigen Zeit schweigt. Was hätte er für die FDP tun können, wenn er den Menschen in der Schweiz erklärt hätte, was passiert. Wenn er sich in den Unternehmen hätte blicken lassen und den Menschen Mut zugesprochen hätte. Hat er es gemacht? Wenn ja, so hat es niemand mitbekommen. Warum liebe FDP kannst du nicht kommunizieren? Heute erhielten wir für diese Schwäche die Quittung der Wähler.

Ist die liberale Idee in der Schweiz tot?

Im Gegenteil. Die grosse Gewinnerin dieser Wahlen sind die Grünliberalen. Noch weiss niemand, für was die Grünliberalen stehen. Ihre Wahl ist mehr ein Wunsch, nach einem politischen Feld, das in den letzten Jahren niemand besetzte. Grünliberale Wähler wollen keine Verbotspartei wie die Grünen. Sie wollen nicht links wählen und sie wollen auch keine verkrustete FDP oder gar eine rückwärtsgerichtete SVP. Die GLP-Wähler wünschen sich eine liberale, moderne und urbane Haltung.

Es liegt in Pellis Verantwortung, dass die FDP dieses Wählerpotential links liegen liess. Pelli ist ein hervorragender Taktiker, der den kleinen Erfolg suchte und die grosse Chance verpasste. Unsere Partei mag Staub angesetzt haben, aber dort, wo die FDP für Moderne und Frische stand, konnte sie entgegen dem Trend Boden gut machen. Bei uns im Appenzell Ausserrhoden setzte sich der 33. Jährige Andrea Caroni beeindruckend gegen den gut vernetzten SVP Kantonsrat durch und in St.Gallen schaffte es Karin Keller-Sutter, trotz Schlammschlacht und entgegen allen Prognosen, im ersten Wahlgang in den Ständerat.

Herr Pelli, Sie setzten sich mit Herz und grossem Einsatz für die Schweiz ein. Sie sind ein hartnäckiger "Chrampfer" und ein echter Liberaler. Dafür gilt Ihnen ein grosser Dank der Partei. Dennoch, jetzt braucht die FDP eine neue Führung. Eine Führung, die die Zeichen der Wähler erkennt und danach handelt. Ich hoffe, die FDP geht nicht aus falschem Stolz auf Konfrontationskurs zu den Grünliberalen, sondern öffnet sich dem Wunsch der Wähler. Grünliberale Wähler sind zum grossen Teil FDP Wähler. Arbeiten wir zusammen, erneuern und stärken wir unsere eigene Partei. Nicht weil wir den Erfolg der GLP kopieren wollen, sondern, weil wir das liberale Original sind. Die FDP ist besser vernetzt, besser strukturiert und wir können mehr bewirken. Es stehen grosse Herausforderungen vor der Tür. Die Schweiz konnte die letzten 150 Jahren darauf zählen, dass wir diese im liberal, bürgerlichen Geiste anpacken. Sie sollte dies auch noch die nächsten 150 Jahre können.

Die Schweizer Wähler legten heute ein starkes Votum in die Urne. Die SVP hat ihren Zenit erreicht und die Schweizer wollen wieder eine gestärkte, liberale Mitte. Das ist unser Feld, das sind unsere Wähler.

Nach der Wahl, ist vor der Wahl. Legen wir die Weichen richtig, wird die FDP die grosse Wahlgewinnerin in vier Jahren sein.

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