Heuschrecken-Kapitalismus im Vormarsch!

"Die Globalisierung und Liberalisierung der Aktienmärkte hat dazu geführt, dass Börsenraider und Private-Equity-Gesellschaften grosse, traditionelle Unternehmen in aller Stille – oft mit geborgten Finanzmitteln – unter ihre Kontrolle bringen, deren Leitungsorgane destabilisieren, die Unternehmensreserven abziehen oder das Unternehmen aufspalten, fusionieren oder mit Gewinn veräussern können. Dieser „Heuschrecken-Kapitalismus“ machte auch die in der Schweiz traditionellen Unternehmen wie SIG, Sulzer, Oerlikon-Unaxis, Ascom, Implenia oder Valora zu Zielscheiben von Attacken oder unfreundlichen Übernahmeversuchen.

Eine (vorübergehende) Unterbewertung der Aktien wird ausgenützt, um in aller Stille – oft auf Pump und mit Hilfe von Strohmännern, Bankiers und Hedge-Fonds – einen Aktienanteil von 20 Prozent zu erwerben, was bereits eine Beherrschung der AG erlaubt. Danach wird die Leitung ausgewechselt, dem Unternehmen werden die Reserven entzogen oder es wird aufgeteilt, fusioniert oder mit Gewinn verkauft.

Firmen werden zum Spielball der Aktienmärkte. Im Jahr 2006 wurden weltweit mehrere tausend (2007 in der Schweiz 530) Fusionen und Firmenübernahmen mit einem Gesamttransaktionsvolumen von 3300 Milliarden Dollars abgewickelt, viele davon mit geborgtem Geld (sogenannten Leveraged Buyouts). Die im Fusionstaumel der 1990er-Jahre angekündigten Synergien und Aktienwertsteigerungen erwiesen sich im Rückblick mehrheitlich als Flops. Von 47 untersuchten Fusionen in der Schweiz waren 54% wertvernichtend und nur 33% marktwertsteigernd." (Rudolf H. Strahm: „Warum wir so reich sind“, Seiten 218 und 228-229, 2008).

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