Der Klassenkampf und die Bürgerlichen

Wenn es darum geht der Linken ideologische Nähe zu Staaten wie der stalinistischen Udssr oder Maos China vorzuwerfen, kann sich kaum jemand mit den VertreterInnen der bürgerlichen Parteien messen: Da ist die Rede von Klassenkampfrethorik, Neidpolitik und Umverteilungswahn. Doch in der Realität praktizieren die Mächtigen von Wirtschaft und Politik einen ihnen ganz eigenen Klassenkampf.

Heute mit Marx zu argumentieren ist im Allgemeinen recht verpönt. Schade eigentlich, leben wir doch momentan in einer Phase der geschichte, in der sich viele seiner Ansätze zu bewahrheiten scheinen: Die Vermögen sind so ungleich verteilt, wie noch nie zuvor, die Märkte derart entfesselt, dass sie ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu reissen drohen und trotz massiver Überproduktion leiden 925 mio Menschen an Hunger.
Bei einer Krise, welche die Weltwirtschaft so hart trifft, wie die gegenwärtige, sind Massnahmen notwendig, die verhindern, dass den Ärmsten die Lebensgrundlage entzogen wird. Die Realität sieht jedoch anders aus; bei jedem Versuch die Macht derer zu brechen, die die Krise verursacht haben, heulen die Bürgerlichen auf und beten ihre Standortargumente herunter. Im Zusammenhang mit der 1:12-Initiative konnte man gut sehen, wie sich die reichsten 5% und ihre Vertretung in den Parlamenten(SVP, FDP, CVP) gegenseitig den Ball zuspielten und nicht müde wurde einander zuzustimmen, dass die „armen“ Reichen die Schweiz bei einer Lohnobergrenze mitsamt Unternehmen verlassen müssten.

Es stellt sich also die Frage, ob sich die Bürgerlichen in politischer Geiselhaft der Mächtigen befinden oder etwas ganz anderes stattfindet: ein Klassenkampf von oben.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Linker seinen politischen Gegnern Klassenkampf vorwirft, betrachten wir jedoch einige Tatsachen, scheint der Vorwurf umso berechtigter:
• Seit Beginn der Krise stiegen die höchsten Löhne um 21% die niedrigsten nur um 2%
• durch verstärkte Einführung von Zeitarbeit in vielen Unternehmen steigt der Druck auf die Arbeitnehmenden
• durch Angriffe auf die Sozialwerke und deren Abbau wird die Lage derer, die sowieso schon am meisten unter der Krise leiden noch prekärer
• mit der Steuerpolitik der Bürgerlichen werden die reichsten immer mehr ent- und die ärmsten immer mehr belastet

Die Schweiz ist der Staat mit den am zweitungerechtesten verteilten Vermögen weltweit. Hierin zeigen sich die Folgen dieser Umverteilung von unten nach oben. Unsere Antwort darauf müssen eine gerechtere Verteilung der Werte in unserer Gesellschaft, also die Umverteilung von oben nach unten und mehr demokratische Mitbestimmung in der Wirtschaft sein. Denn nur, wenn wir die Systemfrage stellen und bereit sind die bestehenden Verhältnisse zu kritisieren, können wir etwas zum Besseren wenden. Und wer weiss, vielleicht sollte der alte Marx am Ende doch recht behalten?

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