Wer ist schuld? Ich sicher nicht!

Die Banken sind schuld, ruft die Politik. Ackermann schiebt den Schwarzen Peter zurück, schuld sei die Politik, weil auf Staatspapiere nicht mehr sicher sind. Und wer weder die Politik noch die Banken als schuldige sehen will, der stürzt sich auf die Ratingagenturen, weil die auf einmal Staaten herunterstufen und die Banken mehr Eigenkapital für deren Anleihen benötigen (ist so ein technisches Ding aus der Risikogewichtung. Stichwort Basel II und Basel III).

Was aber auffällt. Bis jetzt hat noch niemand selbstkritisch gefragt: Und was ist mein Anteil? Keine Bank, die eine Auslegeordnung macht. Keine Versicherung, die Kapital den Banken zur Verfügung stellt. Nicht die Politik. Nicht die Unternehmen, welche Milliardengewinne einfahren, hohe Cash-Positionen halten und nicht in Arbeitsplätze investieren. Und auch nicht die Presse, welche Hurra ruft, wenn Banken Milliardengewinne einfahren und immer mehr verlangen. Selbst dann, wenn der Markt schon alle Zeichen für eine Überhitzung anzeigt. Selbstkritik Fehlanzeige.

Selbstkritik Fehlanzeige? Nicht ganz. Erfreuliches scheint sich bei den Managementvordenkern zu tun. Professor Robert S. Kaplan beeinflusste mit seiner Balanced Scorecard, einem Instrument um Unternehmen zu führen, ganze Manager-Generation. Dieser Professor steht heute hin und sagt: Die Wissenschaft hat versagt.

Schonungslos stellt er die eigene Gilde infrage und wirft ihr vor, dass sie den Unternehmen, den Banken und der Politik nicht die geeigneten Instrumente zur Verfügung stellen, um Risiken richtig einzuschätzen. Er schlägt auch gleich konkrete Schritte vor, wie die Wissenschaft sich verbessern kann. Ein ungemein wohltuender Artikel.
http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-776596.html

Kaplan ist aber nicht der Einzige, der sich selbstkritische Gedanken zur aktuellen Situation macht. Ein anderer Titan der Managementlehre, Porter, propagiert seit letztem Jahr, die Neuerfindung des Kapitalismus.
http://www.harvardbusinessmanager.de/strategien/debatte/a-741307.html.

Wer in Porter einen Linken vermutet, könnte Fälscher nicht liegen. Porter beeinflusste massgeblich das Denken von Unternehmenslenkern, Strategen und der Politik.

Beide Artikel sind ein guter Anfang. Es werden weitere Denker, Praxisleute, Banker und Politiker folgen. Die Menschheit wird auch diese Krise meistern, so wie sie noch jede vergangene Krise überwunden hat. Ein dazu passendes Video, wie Menschen durch Zusammenarbeit komplexe Probleme lösen kommt von Matt Ridley, einem unverbesserlichen Optimisten. Wenn Ideen Sex haben.

Original
http://www.ted.com/talks/lang/eng/matt_ridley_when_ideas_have_sex.html

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Wirtschaft»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production