Smartvote ist keine Religion

2906 Kandidierende haben bisher bei Smartvote teilgenommen, das sind 84%. Es wurden 784 730 Wahlempfehlungen ausgestellt. Bei Smartvote mitzumachen ist fast obligatorisch geworden. Der Politologe Andreas Ladner ist davon überzeugt, dass die Zukunft Smartvote heisst. Smartvote könne unser Wahlverhalten verändern. Doch dafür behüte uns der Gott der Wähler und der zu Wählenden!

Ich habe auch mitgemacht bei Smartvote. Aufgrund eines bestimmten Fragerasters wurde ich in eine politische Landschaft eingepflanzt. Rechts, links, liberal, konservativ. Dann wurde mir ein Profil erstellt in Form einer Spinne mit kurzen oder langen Beinen für mehr oder weniger Law and Order, Sozialstaat, aussenpolitische Öffnung, Umweltpolitik, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Liberalisierung.

Doch die Auswahl der Fragen ist willkürlich und ausgerichtet auf die politischen Pole. Manchmal sind sie ungenau formuliert und die Einteilung auf den Achsen nicht immer nachvollziehbar. Ich habe beispielsweise keine Ahnung, weshalb meine liberale Einstellung einen Einbruch erleidet, wenn ich die finanzielle Benachteiligung verheirateter Paare gegenüber unverheirateten abschaffen will.

Mich erinnert das Ganze an «Was sind Sie für ein Typ»-Tests in Zeitschriften, wo man im Multiplechoiceverfahren Fragen ausfüllt zu Charaktereigenschaften und sich überraschen lässt, wohin das Abenteuer führt. Doch Smartvote will schliesslich Wissenschaft, nicht Esoterik sein.

Ich würde es deshalb wünschen, wenn die Verantwortlichen ihre Wahlplattform differenzierter und vor allem transparenter gestalten würden. Oder aber: die Grenzen ihres Vermessungsanspruchs einmal aufzeigen. Denn Smartevote ist schliesslich auch keine Religion

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