23. Oktober – Wunsch und Hoffnung eines Auslandschweizers

„Ich möcht ein Schweizer sein …“ Das sang kürzlich ein deutscher Kabarettist auf SWR2. Mag das Lied auch einige Spitzen enthalten, es gibt die Gefühle vieler Deutscher gut wieder, die sie der Schweiz, den Schweizern gegenüber haben: Bewunderung, gemischt mit Neid, dass wir Schweizer noch unseren eigenen Franken haben, dass wir nicht obrigkeitlich, d.h. von oben nach unten regiert und bestimmt werden, dass wir über Bahnhöfe, Minarette usw. abstimmen können, dass der Anteil der Arbeitslosen so gering ist, dass wir unsere Meinung frei sagen können, dass unsere ParlamentarierInnen sich nicht vom Bundesrat sagen lassen, wie sie abzustimmen haben, dass unsere Bahnen sehr pünktlich sind usw. usf.
Unsere Schweiz, eine Willensnation von vier Kulturkreisen, die – das Romanische ausgenommen – kulturelle Kontakte zu den grossen Nationalstaaten ihrer Sprache pflegen, aber den zentrifugalen Kräften Deutschlands, Frankreichs und Italiens auch während zweier Weltkriege nicht erlegen sind, kann – dies meine grundsätzliche Überzeugung – nur ausserhalb der EU existieren. Unsere Romands, unsere Ticinesi und wir Deutschschweizer wissen, dass es uns in unserem Bundesstaat in jeder Hinsicht besser geht, als in den entsprechenden Nationalstaaten – das hält uns zusammen, das zwingt uns immer wieder, uns über „Röstigräben“ hinweg zu finden, zu verständigen.
In Deutschland, wo ich seit zehn Jahren lebe, erlebe ich bei Akademikern(!), erst recht bei Politikern immer wieder, das sie absolut kein Verständnis haben für unsere Besonderheiten, unsere direkte Demokratie und für unsere kulturelle Vielfalt, dass sie mit einem Deutschschweizer „noch etwas anfangen“ können, mit den „anderen Schweizern“ jedoch nichts am Hut haben.
Daher wünsche und hoffe ich, dass am 23. Oktober möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer sich an den Nationalrats- und Ständeratswahlen beteiligen. Sie möchten jedoch den Kandidatinnen und Kandidaten ihre Stimme geben, die der EU gegenüber kritisch sind, die ein Brüsseler Diktat nicht akzeptieren; solche PolitikerInnen finden sich in jeder Partei.

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