Was lebensunwertes Leben kosten darf – eine Polemik zur Rationalisierung im Gesundheitswesen.

Die Frage, was ein Menschenleben die Allgemeinheit kostet, ist ungeheuerlich. Ist ein Menschenleben 1 Million, 1000 Franken oder nicht mehr als ein Päckchen Zigaretten wert?
Ganze 80 Jahre ist es her, dass den Wert eines individuellen Menschenleben Gegenstand einer öffentlichen Debatte war. Im Dritten Reich war die Eugenik hoch im Kurs. Die Nationalsozialisten propagierten und betrieben aktiv die Auslöschung lebensunwerten Lebens (Holocaust - vollständig verbrannt). Begründet wurde der tausendfache Mord damit, dass lebensunwerte Behinderte, den Lebenswerten die Ressourcen streitig machen. Wer nicht stark und gesund war, wurde unter dem begeisterten Beifall der Bevölkerung entsorgt.
Wenn es auch gute Gründe gibt, um über die Kosten im Gesundheitswesen zu diskutieren, so darf es doch sein, dass über den monetären Wert eines Lebens, debattiert wird.
Diese Debatte hat eine Türöffnerfunktion. Heute wird über die Kosten eines zusätzlichen Jahres für Schwerkranke debattieret. Morgen wird über den Zwang zu pränatalen Diagnostik gesprochen. Übermorgen muss lebensunwertes Leben vor der Geburt abgetrieben werden. Dann müssen sich SozialhilfeempfängerInnen zwangsweise sterilisieren lassen. Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, wohin die Reise führt.
Wirtschaftlich befinden wir uns bald wieder in den 1930er Jahren. Dass der moralische Niedergang die wirtschaftliche Stagnation überholt, ist keine echte Überraschung.
Auffällig an der Rationalisierungs-Debatte ist, dass nur über die Patienten und Personalkosten debattiert wird.
Die Bürokratie wird mit keinem Wort erwähnt. Die Profite der Pharmaindustrie, die Kosten des Scheinwettbewerbs und die astronomischen Saläre des Spitzenpersonals werden als gottgegebenen hingenommen.
Vorsorge und Prävention sind kein Thema. Darüber ob mit einer besseren, den modernen Krankheitsbildern angepassten Ausbildung der ÄrztInnen Geld gespart werden kann, wird nicht gesprochen.
Verständlicherweise sind externe kostentreibende Faktoren wie ökonomische Gewalt und Stress im Beruf kein Thema für die VolksvertreterInnen. Wenn sie auf die Ideen kämen, die Wirtschaft stärker an den Gesundheitskosten zu beteiligen, wären die VolksvertreterInnen ihre anonymen Wahlkampfspenden über Nacht los.
Für die Armee und die Bankster ist Geld im Überfluss vorhanden. Bei der Gesundheit und der sozialen Gerechtigkeit kann nicht genug gespart werden.
Wie kann es sein, dass in einer Welt in der sich Geld sich durch sich selber vermehrt, kein Geld für das Gesundheitswesen vorhanden ist?
Wenn es doch ein Leichtes ist, die Geldpresse Tag und Nacht für die Wirtschaft laufen zu lassen - sollte dies doch auch für die Gesundheit möglich sein?
In der heutigen Zeit sind Schulden doch kein Problem mehr. Sie werden weginflationiert – oder nicht?
Pervers ist, wenn im lebenserhaltenden Gesundheitswesen Geld gespart wird, um Mordwerkzeuge zu kaufen.

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