Berufsbildungssystem Schweiz: Ein Erfolgsmodell! (ergänzte Fassung)

Alle Hauptfaktoren des Reichtums der Schweiz – die hohe Produktivität, die hohe Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung und die internationale Konkurrenzfähigkeit mit hoher Exportkraft – hängen mit unserem Berufsbildungssystem zusammen. Unser System der praktisch ausgerichteten beruflichen Ausbildung ist der entscheidende historische Erfolgsfaktor, welcher die „Swissness“, die schweizerische Qualitätsarbeit, und die hohe Wertschöpfung ausmacht.

Stärken der Schweizer Industrie sind innovative Lösungen, massgeschneiderte Produktionen, Nischenprodukte, Design und gute Dienstleistungen wie Servicegarantie, Termintreue, Verlässlichkeit, Garantieleistungen und Mehrsprachigkeit. Schlüsselfunktionen bei diesen Stärken haben die Berufsbildung und die praxisorientierte höhere Bildung für Ingenieure/-innen und Techniker/-innen. Im weltweiten Spezialitätenmarkt sind Exaktheit, Präzision, Termintreue, Zuverlässigkeit, Innovationsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit des Personals wichtige Qualifikationen, welche die hohen Löhne rechtfertigen und aufwiegen. Es sind dies Qualitäten, die nicht primär von der akademischen Welt ausgehen (gute Akademiker/-innen gibt es überall), sondern von den Qualifikationsstandards der beruflichen Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung. Das schweizerische Berufsbildungssystem fördert besser als in andern Ländern die Arbeitsmarktintegration. Es vermeidet die Gefahren der schleichenden, arbeitsmarktfernen Akademisierung des Bildungssystems, etwa der Formalisierung durch das Bologna-System.

Allerdings weist das Berufsbildungssystem auch einen gravierenden Mangel auf: Es hinkt dem Strukturwandel hintennach. Die Verteilung der Lehrstellen nach Wirtschaftsbranchen entspricht heute in etwa der Verteilung der Beschäftigten vor 20 Jahren. Gewerbliche und industrielle Branchen bilden mehr Lernende aus, als sie nach der Ausbildung beschäftigen können. Umgekehrt bieten viele Dienstleistungszweige zu wenige Lehrstellen an. Vor allem die neueren Branchen in den Bereichen Informatik, Telematik, Freizeit- und Sportbetreuung, Finanzdienstleistungen, aber auch das Gesundheitswesen (vor allem die Spitäler und Heime auf der Sekundarstufe IIB) bilden zu wenig Personal aus. Sie rekrutieren Ausgebildete aus anderen Branchen oder Spezialisten aus dem Ausland.

Weil heute zwei Fünftel aller Grossunternehmen in der Schweiz durch ausländische Chief Executive Officers (CEO) geleitet werden, die oft von ihrer Herkunft keine Beziehung zum schweizerischen Berufsbildungskonzept haben, besteht die Gefahr einer Vernachlässigung und Marginalisierung dieser wichtigsten Qualifizierungsaufgabe auf dem Werkplatz Schweiz. Für die schweizerischen Akteure der Wirtschaftspolitik gilt es deshalb immer wieder hervorzuheben: Lehrstellen oder andere Ausbildungsplätze sind der Qualitätsstandard einer Schweizer Firma – quasi „State of the Art“! (Nach Rudolf H. Strahm: „Warum wir so reich sind“, Seiten 7-8, 140, 167, 170, 176-177, 2008)

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