Ein Stadion voll von arbeitslosen Jugendlichen Die Schweiz steht zwar gut da bei den Arbeitslosenzahlen, aber nach wie vor sind zu viele Jugendliche arbeislos.

Einer meiner Kollegen, 24jährig, ist arbeitslos. Er ist zudem ausbildungslos. Er hat mehrere Ausbildungen angefangen. Es fehlt ihm am Durchhaltewillen. Vielleicht ist er selber schuld an seinem Schicksal. Man kann das so sehen. Auf der anderen Seite bekommt er weder von seiner Familie noch von den staatlichen Stellen jene Unterstützung und jenen Druck, der ihm vermutlich helfen könnte.
Ich schildere hier ein Einzelschicksal, könnte man meinen. Nein, so ist es keineswegs. In der Schweiz sind 15'000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Das ist das ganze Stadion von St.Gallen voller arbeitsloser junger Menschen!
Die gute Botschaft dazu lautet: Im europäischen Vergleich steht die Schweiz sehr gut da. Die schlechte Botschaft: Der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt, gelingt es nicht, allen Jugendlichen eine Arbeit zuzuweisen.

Die Gründe für die Jugendarbeitslosigkeit liegen tiefer. Viele arbeitslose Jugendliche haben keine ordentliche berufliche Ausbildung. Und die folgende Zahl ist erschreckend: Rund zehn Prozent der Jugendlichen in der Schweiz sind ausbildungslos. Diesen zehn Prozent junger Menschen gelingt es nicht, nach der Sekundarschule eine Ausbildung abzuschliessen. Ein Teil der Ausbildungslosen findet einen Job; ein anderer Teil aber findet aufgrund der man-gelnden Ausbildung keinen Arbeitsplatz. Die Gefahr, dass diese jungen Menschen über Jah-re hinweg arbeitslos sind, ist gross. Das Risiko, dass diese jungen Menschen später Sozialleistungen beziehen, ist ebenfalls hoch.

Dieser Risikogruppe von jungen Ausbildungslosen müssen wir in der Politik mehr Beachtung schenken und Lösungen anbieten. Es sind drei Gründe, die mich bewegen, gerade hier Ver-besserungen zu fordern.

  1. Der Wirtschaft fehlen die ausgebildeten Arbeitskräfte. Wenn diesen jungen Menschen eine Ausbildung geboten wird, werden sie auch eine Stelle finden. Die Unruhen in Paris und London haben gezeigt, welche Konflikte entstehen können, wenn jungen Menschen ohne Perspektiven leben müssen.
  2. Die jungen arbeitslosen Menschen belasten die Arbeitslosenversicherung und die Sozialhilfe der Gemeinden.
  3. Arbeitslose junge Menschen leisten keinen Beitrag für unsere Volkswirtschaft. Sie zahlen keine Steuern und keine AHV-Beiträge.

Ein ganzes Stadion voller junger Menschen ohne Arbeit und ohne Ausbildung muss uns zum Handeln zwingen. Das Ziel unserer Bildungspolitik muss es sein, alle jungen Menschen zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich, wirtschaftlich und finanziell unabhängig zu mei-stern. Junge Menschen sollen arbeiten müssen und sie sollen arbeiten dürfen.

Von Lehrlingsverantwortlichen in unseren Betrieben höre ich immer wieder, dass es vor allem bei ausländischen Jugendlichen am Beherrschen der Sprache mangle. Das sei ein wich-tiger Grund, weshalb diese Jugendlichen nicht eingestellt werden. Was diese Lehrlingsverantwortlichen feststellen, ist auch wissenschaftlich erkannt. Die Eidgenössische Jugendbefragung zeigt genau dieses Bild. Von der Ausbildungslosigkeit sind vor allem Ju-gendliche mit Migrationshintergrund sowie junge Schweizerinnen und Schweizer mit tiefer Intelligenz betroffen.
Deshalb muss bei diesen beiden Gruppen angesetzt werden. Junge Ausländerinnen und Ausländer sollen unsere Sprache lernen.
Wie wir wissen, bekommen gerade diese jungen Menschen die Unterstützung ihrer Eltern nicht. Denn vielen dieser Eltern ging es genau so, als sie jung waren: Sie erhielten keine ordentliche Ausbildung und sie beherrschen unsere Sprache nicht. Diesen fortführenden Teufelskreis von Alt zu Jung muss unsere Politik durchbrechen.
Lehrerinnen und Lehrern sagen, dass bei beiden Risikogruppen die Sprachmängel beim Schuleintritt deutlich seien. Es sei, so sagen die Lehrpersonen, oft schon zu spät, diese Sprachmängel in der Schule noch gehörig aufholen zu wollen. Man müsse mit der Sprach-förderung viel früher anfangen. Sogar vor dem Kindergarten. Ich unterstütze diese Frühför-derung. Ich bin überzeugt, dass jeder Staatsfranken bei der Frühförderung ein gut investierter Franken ist. Wenn solche jungen Menschen später ausbildungslos und arbeitslos sind, keine Steuern zahlen und Sozialhilfe beziehen müssen, kostet das bestimmt ein Vielfa-ches. Und es geht mir nicht nur um‘s Geld. Mich beelendet es in höchstem Mass, wenn jun-ge Menschen nicht arbeiten wollen – und noch schlimmer: wenn sie nicht arbeiten dürfen.

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