Baumkuschler oder Technoökologen – Was bist Du?

Bei der Frage wie ökologische Probleme gelöst werden können, gibt es grundsätzlich zwei Denkschulen, wobei jede ihre Berechtigung hat. Über die Notwendigkeit Umwelt, Ressourcen und Vielfalt zu schützen, herrscht weitgehend Einigkeit. Aber über die Richtung ist man sich nicht einig, zurück oder vorwärts?

Ich möchte nun nicht behaupten, dass es nur das eine oder das andere gibt. Es können auch Ideen beider Denkschulen Teil einer vernünftigen Politik sein, aber wenn über Umweltschutz gestritten wird, dann ist es sinnvoll Argumente von Baumkuschlern und Technoökologen zu unterscheiden, denn diese beiden Stereotypen verstehen sich nicht. Sie gehen von grundsätzlich unterschiedlichen Annahmen aus und es ist dann nicht überraschen, dass sie aneinander vorbei reden.

Baumkuschler haben ein emotionales Verhältnis zu ökologischen Themen und betrachten die Umwelt unter dem Aspekt der Bewahrung. Eingriffe des Menschen stehen im Gegensatz zu einer unberührten Natürlichkeit, die es zu bewahren gilt. Natur ist vor dem Menschen zu schützen und wo möglich wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Es ist typisch für Baumkuschler, dass sie eine Scharfe Trennung zwischen Natur und Kultur zu ziehen. Der Fortschritt des einen muss immer auf Kosten des anderen gehen. Der Mensch hat seinen Ressourcenverbrauch einschränken, damit sich ein Gleichgewicht einstellen kann. Wobei mehr Bewunderung als Verständnis für Naturphänomene im Vordergrund steht. Aber es ist auch die Sensibilität der Baumkuschler, die Umweltschutz überhaupt zum Thema gemacht hat, denn ohne diese emotionale Sichtweise, würden kleinste sich abzeichnende Veränderungen heute, wie der Klima, nicht bemerkt, bevor sie sich zur globalen Katastrophe aufgetürmt haben.

Technoökologen haben ein rationales Verhältnis zu ökologischen Themen und sehen technische Lösungen von Problemen als eine gestellte Aufgabe an. Mensch und Natur bilden keinen Gegensatz, da sie zusammen auf einer Welt leben. Der Mensch muss selber als Teil der Natur verstanden werden, denn auch er funktioniert unter den selben Naturgesetzen. Technik ist damit eine Erweiterung der natürlichen Fähigkeiten des Menschen. Technische Mittel sind anzuwenden, damit ein nachhaltige Nutzung von Umwelt und Ressourcen möglich ist. Vielfalt wird nicht ihrer Schönheit will wertgeschätzt, sondern wegen ihrer Nützlichkeit. Der nüchterne Blickwinkel von Technoökologen bedeutet, dass Kompromisslösungen gesucht werden. Es hat auch die Folge, dass sie Gefahren tendenziell unterschätzen, weil sie an die Fähigkeit glauben, Probleme technisch lösen zu können. So nehmen sie Rückschläge in Kauf und glauben doch daran, dass eine Verbesserung eintritt, auch wenn es kurzfristig mehr Probleme gibt.

Ich begebe es zu, ich bin Technoökologe, denn ich überzeugt von der technischen Lösbarkeit vieler ökologischer Probleme. Sei es nun Solarkraft oder Kernfussion, was heute noch keinen effizienten Wirkungsgrad hat, wird durch stetige Weiterentwicklung verbessert und hoffentlich bald grossen Nutzen haben. Andererseits zweifle ich daran, dass der Mensch seinen Ressourcenverbrauch sinnvoll einschränken kann. Zwar können mit Effizienzgewinn Einsparungen erzielt werden, aber der Verbrauch wird insgesamt zunehmen, weil alle Menschen auf der Welt einen höheren Lebensstandard haben werden. Selbst wenn wir in den hochentwickelten Ländern den Ressourcenverbrauch auf die Hälfte reduzieren, ist es noch zu viel, als das alle Menschen dieses Niveau haben könnten.

Was bist Du? Baumkuschler oder Technoökologen. Oder ist eine andere Unterscheidung sinnvoller?

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