Schluss mit dem kleinkarierten Gärtchendenken! Machen wir den Bildungsraum Schweiz fit für den globalen Wettbewerb!

In der Schweiz orientieren wir uns gerne an althergebrachte Bilder, Traditionen und Grenzen. So ist die oft geäusserte Auffassung, dass Basel im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Bereich in erster Linie mit Zürich, Bern oder gar Liestal konkurriere, nicht verwunderlich. Die Stellung unseres Landes in der globalisierten Welt zeigt aber auf, dass dem schon lange nicht mehr so ist. So steht etwa unsere Spitzenmedizin und die Life-Sciences Industrie in einem globalen Wettbewerb mit Städten wie Singapur, Shanghai oder Boston. Noch halten wir uns gut – aber wie lange noch? In den aufstrebenden Städten des Ostens werden Geldsummen in neue Forschungseinrichtungen investiert, mit denen wir nicht einmal ansatzweise mithalten können. Die logische Konsequenz lautet daher, dass unsere allergrösste Aufmerksamkeit dem wertvollsten Rohstoff, den wir besitzen – der Bildung – gehören muss und wir die Mittel in diesem Bereich besonders effizient einsetzen müssen.

Dies führt uns zur aktuellen Debatte über das neue Hochschulförderungsgesetz (HFKG), das wir im Parlament gerade behandeln. Es wirkt schon jetzt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Zu sehr enthält es noch das Prinzip der föderalistischen Giesskanne. Ein dutzend Universitäten und fast ebenso viele Fachhochschulen buhlen heutzutage um die Gunst der Studierenden. Dabei bieten die meisten Hochschulen ein umfassendes Vollangebot und konkurrieren in erster Linie untereinander. Dieses Denken ist nicht mehr zeitgemäss. Künftig müssen die Hochschulen klare Schwerpunkte setzen, wollen sie denn im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig sein. Hier müsste das neue Hochschulförderungsgesetz viel mehr Gegensteuer geben. Daher ist vom Gedanken, dass jeder Kanton seine eigene (Voll-)Universität und/oder Fachhochschule braucht, endlich Abstand zu nehmen. Die Zukunft liegt in spezialisierten Hochschulstandorten. So könnte etwa Basel die führende Universität für Life Sciences werden, so wie St. Gallen schon heute ein Synonym für die Wirtschaftswissenschaften oder Genf für internationale Beziehungen ist.

Zudem hat sich das schweizerische Bildungssystem auch an den Bedürfnissen unserer Wirtschaft auszurichten. Im Bereich der Tertiärbildung ist daher die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen zu intensivieren. Dies gilt speziell für die Berufsbildung. Sie ist eine Schweizer Erfolgsgeschichte, um die uns viele andere Länder beneiden. Damit ihre Stellung im Vergleich zur „klassischen“ Hochschulbildung gestärkt werden kann, ist sie mit zusätzlichen 100 Millionen Franken zu unterstützen. Dieses Geld soll hauptsächlich für die Subventionierung der höheren Berufsbildung eingesetzt werden. Nur ein Beispiel: Die Lehrmeisterausbildung Schreiner kostet dem Auszubildenden persönlich über 50'000 Franken. Ein Medizinstudent in Genf hingegen bezahlt „nur“ 10'000 Franken. Solche Unverhältnismässigkeiten gilt es zu beheben.

All diese Massnahmen bedingen von den Verantwortlichen Weitsicht und auch etwas Mut. Doch sie sind zwingend, um den Bildungsstandort Schweiz fürs 21. Jahrhundert und den globalen Wettbewerb fit zu machen.

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