Woher nehmen eigentlich die Schweizer Wirtschaftsverbandsfunktionäre das Recht, die Wirtschaft per se als "rechts stehend" zu vertreten?

Die erfolgreichsten Firmen dieser Welt - zum Beispiel Apple als das wertvollste Unternehmen der Welt - behandeln ihre Mitarbeitenden mit Respekt. Sie bezahlen nicht nur sehr gute Löhne, sondern bieten neben zahlreichen Sondervergünstigungen auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten und zukunftsgerichtete Aufgaben an.
Bundesrat Schneider-Ammann argumentiert, dass das Rettungspaket den Firmen helfen soll, ihre Spezialisten und mit ihnen das aufgebaute Wissen und die Erfahrung wegen der Frankenüberbewertung nicht zu entlassen und zu verlieren, sondern die Mitarbeitenden weiterhin an sich zu binden.
In der Literatur wird von ausgewiesenen Experten und Managern davon geschrieben, wie wichtig nicht nur das Kundenverhältnis ist und gepflegt werden soll, sondern auch das Verhältnis der Unternehmen zu ihren Mitarbeitern. Sie sollen wie die Kunden gebunden und weiterentwickelt werden.
In der Wissenschaft wird im Auftrag der Wirtschaft darüber geforscht, welche Bedürfnisse die Mitarbeitenden haben, um dass diese weiter entwickelt werden können, sich im Betrieb entfalten zu können und Anerkennung zu finden, auf dass die Angestellten mithelfen, das Unternehmen möglichst lange erfolgreich zu halten. Denn es ist das Resultat aller und nicht der Manager, der Banken oder Verwaltungsräte, die den Erfolg ausmachen.

Vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht, warum zum Beispiel die Economiesuise oder der Bernische Handels- und Industrieverband HIV immer und immer wieder rechtsnationale Parolen und Ideologie verbreiten, die diametral den Unternehmensinteressen ihren eigenen Mitglieder gegenüber widersprechen. Es scheint, dass diese Interessenvertreter in einer anderen Zeit stehen geblieben sind und nicht erkennen können, welche Signale an die Wand der Zukunft geschrieben sind.

Das volkswirtschaftliche Erfolgsrezept der Schweiz besteht darin, dass die best ausgebildeten Leistungsträger ihren Unternehmen loyal und mit besten Kräften zur Verfügung stehen. Das sind in ihrer Mehrheit die Angestellten.
Das ist ohne sozialen Frieden nicht zu haben. Sozialer Frieden basiert auf sozialer Gerechtigkeit und und sozialem Ausgleich und denselben Chancen für alle. Ein mittlerweile altes liberales Postulat mit derselben Gültigkiet in der Hochkonjunktur wie insbesondere in der Krise.

Das Handeln und das Auftreten der Verbandsfunktionäre für die Interessen der Reichsten im Land gegen den Schweizerischen Mittelstand widerspricht diesen unerschütterlichen Grundlagen des Erfolges der Schweiz über viele Jahrzehnte. Diese Herren spielen mit dem Feuer und gefährden mit ihren überkommenen ideologischen Ansätzen den innern Frieden der Schweiz und damit die Konkurrenzfähigkeit des Landes im globalen Wettbewerb überhaupt. Statt Perspektiven zu schaffen, beschneiden sie die Möglichkeiten mit Dialogverweigerung und Radikalisierung.

Das sollten sich die Wählerinnen und Wähler reiflich durch den Kopf gehen lassen, bevor sie den Hardlinern unter den sog. "wirtschaftsfreundlichen Nationalrats- und Ständeratskandidaten" ihre Stimme geben. Denn die Zukunft gehört nicht den Stellen- und Sozialabbauern, sondern jenen kreativen und innovativen Kräften im Land, die unser Land in eine soziale und ökologische Nachhaltigkeit führen.

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