Die grossen Schweizer Energieversorgungsunternehmen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht und riskieren, eine historische Chance zu verpassen.

Medienmitteilung der BKW FMB Energie AG vom 15. September 2011: „Mit Blick auf die Weiterentwicklung der Marktstellung hat die BKW FMB Energie AG unmittelbar nach den Ereignissen in Japan eine umfassende Überprüfung der Unternehmensstrategie eingeleitet. […] Die Ergebnisse der Arbeiten werden nicht vor der Generalversammlung 2012 vorliegen.“

Die GV 2012 der BKW wird am 11. Mai 2012 über die Bühne gehen. In anderen Worten: Da überlegt, und überlegt, und überlegt die BKW während zwölf Monaten und mehr an einer neuen Unternehmensstrategie – und sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht. Dabei ist offensichtlich und klar:

  • Erneuerbare Energien sind der Jobmotor par excellence. In Deutschland arbeiten heute 370‘000 Menschen in diesem Bereich; die Atomenergie bietet währenddessen gerade einmal 30‘000 Arbeitsplätze. Bis 2020 werden die erneuerbaren Energien in Deutschland einer halben Million Menschen Beschäftigung bieten.
  • In Bayern beträgt der Solarstromanteil am Gesamtstromverbrauch heute sechs Prozent; einzelne Gemeinden decken zwei Drittel des Strombedarfs mit Solarstrom. In der Schweiz liegt der Solarstromanteil bei kümmerlichen 0,15 Prozent. Wieso diese eklatante Differenz?
  • In Deutschland gibt es über hundert Landkreise, Gemeinden und Regionalverbünde, welche das Ziel verfolgen, ihre Energieversorgung zu 100% aus erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Monat für Monat gewinnt die Bewegung an Dynamik.
  • Gemäss einer Studie der Duke University (North Carolina) ist Strom aus neu erstellten Solaranlagen in North Carolina bereits ab 2010 billiger als Strom aus neu erstellten Atomkraftwerken. Jahr für Jahr wird die Preisdifferenz zugunsten des Solarstroms grösser.
  • Seit dem Ende der 1990er Jahre ist der jährliche Zubau an Windenergie wesentlich grösser als jener an Atomenergie. 2009 wurden weltweit Windkraftwerke mit einer Leistung von 37‘500 MW in Betrieb genommen – die Atomkraft stagnierte.

Das sind die Fakten. Der Trend ist klar und unumkehrbar. Wenn die Schweiz nicht eine historische Chance verpassen will, dann gilt es, jetzt endlich die Weichen in Richtung 100% erneuerbar zu stellen. Dafür braucht man nicht jahrelang an einer neuen Unternehmensstrategie zu grübeln.

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