Ueli Maurer ist die falsche Person für das VBS

Auf Politnetz ist es unschwer zu erkennen, dass ich kein Freund der SVP bin und als Pazifist auch das Militär nicht zu meinen Favoritenthemen gehört. Wenn man aber 5 Milliarden pro Jahr ausgibt und jährlich die besten Mitarbeiter für 3 Wochen den Unternehmen wegnimmt, muss die ganze Übung wenigstens einen Sinn haben. Soldaten haben es verdient, dass sie nicht nur die Zeit absitzen, sondern minimal erkennen, dass sie eine "sinnvolle" Aufgabe erledigen. Und die Steuerzahler sollen etwas für ihr Geld erhalten. Dieser Artikel ist weder gegen die SVP, gegen Ueli Maurer gerichtet, noch haut er das Militär in die Pfanne. Ich stelle nach vier Jahren Ueli Maurer als VBS Chef nur fest, dass er der falsche Managertyp für die Spitzenposition des VBS ist.

Die Armee ist in einer besonderen Situation. Nachdem in 40 Jahren Kalter Krieg die Aufgaben verteilt waren, ändert sich seit 20 Jahren das Bedrohungsszenario beinahe von Jahr zu Jahr. Die Russen sind unsere Freunde, während Ost-Länder auseinanderbrechen. Saddam greift Kuwait an, die Supermacht USA verliert in Ruanda eine Schlacht und wird von Terroristen mitten ins Herz getroffen. Saddam versteckt sich im Graben. Wir haben den arabischen Frühling. Europa rückt zusammen, Europa bricht auseinander. Oder rückt es doch noch mehr zusammen? Wo steht die NATO und wo die kleine Schweiz.

Die Schweizer Armee, wie wir sie kannten, ist überholt. Das Kader ist verunsichert und für viele Menschen in diesem Land ist der Spruch: "Die beste Armee der Welt" nur noch Realsatire. In dieser Zeit braucht eine solche Organisation einen Visionär und keinen ausführende Nr. 2.

Es gibt unterschiedliche Managertypen und nicht jeder ist für jede Organisation und jede Situation geeignet. In der Buchhaltung ist es vorzuziehen, keine allzu kreativen Leute einzustellen und wer ein Hightech Unternehmen aufbauen will, darf keine risikoscheuen Top-Manager haben. In einer Atomanlage ziehen wir bestimmt den "Tüpflischisser" dem eloquenten "Mach dir keine Sorgen, es wird schon gut gehen. " Typen vor.

Was für einen Managertyp braucht das VBS?

Die Armee braucht eine neue strategische Ausrichtung. Sie braucht jemanden, der eine Vorstellung davon hat, wie die Welt in 10 bis 20 Jahren aussieht und die Organisation darauf ausrichtet. Er oder sie muss eine klare Vorstellung davon haben, welche Aufgaben in Zukunft gelöst werden müssen und diese Person muss diese Vorstellung kommunizieren können. Er braucht eine Begeisterungsfähigkeit nach innen und nach aussen. Er muss in den verunsicherten Mitarbeitern ein Feuer entfachen, dass sie wieder an die eigenen Stärken glauben. Er muss den Bundesrat und das Parlament überzeugen, dass sie seiner Vorstellung folgen und er muss uns Wählern und Soldaten von seiner Idee begeistern. Es darf keine Diskussion geben, ob jetzt 80', 100' oder 120'0000 Soldaten. Die Leute müssen ihn hören und mehrheitlich sagen: "O.k., versuchen wir es. Gehen wir diesen Weg". Seinen Weg.

Kann das Maurer?

Nein. Er kann es nicht. Ich schätze die Leistung von Maurer als Parteipräsident der SVP sehr hoch ein. Blocher wäre ohne die Hartnäckigkeit, der grossen Schaffenskraft und der Ausdauer von Maurer nie so erfolgreich mit seiner SVP gewesen. Maurer war der Wadenbeisser, der Blochers Vision umsetzte. Maurer ist der perfekte Umsetzer für eine Idee, aber unfähig, eigene Idee zu entwickeln.

Ich plädiere nicht für die Rückkehr von Blocher. Blocher ist nicht teamfähig, er ist ein zu starkes Alpha-Tier - aber er hat Visionen. Das ist es, was wir im VBS brauchen. Ein teamfähiges Alpha-Tier, welches eine Idee davon hat, wie die Armee in 10 bis 20 Jahren aussehen muss und die Schweizer Mehrheit für diese Vision gewinnt.

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