Von Äpfeln und Birnen und warum die SUVA keine Krankenkasse ist

Frau Nationalrätin Jacqueline Fehr setzt sich für die Schaffung einer Einheitskasse ein und zieht einen haarsträubenden Vergleich herbei. Sie bringt als Grund für eine staatlich verordnete Einheitskasse die Kostensenkungen bei der SUVA, während die Krankenkassenprämien Jahr für Jahr steigen. http://www.politnetz.ch/beitrag/11695.

Frau Fehr, kennen Sie den Unterschied zwischen der SUVA und einer Krankenkasse oder machen Sie hier auf billige Polemik?

In der Schweiz müssen alle beschäftigten Arbeitnehmer obligatorisch gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert werden. Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich können ihre Versicherung frei wählen, während Unternehmen aus der Baubranche sich bei der SUVA versichern müssen. Die SUVA selbst ist eine öffentlich rechtliche Versicherung, versichert 2 Millionen Arbeitnehmer und generiert ein Prämienvolumen von 4.2 Milliarden Franken.

Nach Frau Fehrs Logik steigen bei den privaten Versicherungen die Prämien, weil sie hohe Administrative kosten verursachen und viel Geld für Werbung ausgeben. In diesem Sinne dürften bei den privaten Versicherungen die Prämien nicht fallen, während sie dies bei der SUVA tun. Wie es der Zufall will, war heute ein Versicherungsmann bei mir und wollte die Betriebsunfall- sowie Nichtbetriebsunfallversicherung verlängern. Bei beiden bot er mir tiefere Prämien an. Nach Frau Fehrs Logik unmöglich. Eine private Versicherung mit tieferen Prämien? Wie kann dies sein? Weil seit Jahren die Unfälle zurückgehen.

Unfälle gehen zurück, darum fallen die Kosten – egal ob privat versichert oder öffentlich-rechtlich bei der SUVA.

Von 2003 bis 2007 fielen die Unfälle von 74 pro 1‘000 Beschäftigte auf 69 Fälle pro 1‘000 Beschäftigte. Es ist nur logisch, dass damit auch die Kosten sinken. Sowohl bei den privaten Versicherungen wie auch bei der SUVA.

Warum galoppieren dagegen die Krankenkassenprämien bei den Privaten? Von vielen zwei Gründe ausgewählt: weil wir länger leben und der Fortschritt in der Medizin zu atemberaubenden und teuren Möglichkeiten führt. Die Medizin von vor 30 Jahren ist nicht mehr zu vergleichen, mit dem, was heute möglich ist. Es werden Krankheiten behandelt und es wurden Verfahren entwickelt, die zwangsläufig mehr kosten.

Während der Fortschritt bei den Unfällen zu tieferen Kosten führt, weil der Fortschritt das Leben sicherer macht, führt der Fortschritt in der Krankenmedizin zum Gegenteil – zu höheren Kosten. Diagnosen, die früher ein Todesurteil waren, bedeuten heute eine Operation und der Patient lebt nochmals 10 Jahre ein gesundes Leben.

Die SUVA ist kein Beispiel dafür, dass wir die Einheitskasse einzuführen haben. Denn auch die Schlussbemerkung von Frau Fehr mag auf den ersten Blick das Herz eines jeden Genossen höher schlagen lassen, aber hält in der Praxis nicht.

...die ähnlich wie die SUVA das Wohl aller und nicht die Geschäfte von ein paar wenigen im Auge hat.

Die meisten hier beschriebenen chronisch kranken Menschen beziehen IV und Ergänzungsleistung. Und diese orientiert sich 1:1 an den privaten Krankenkassen. Da gibt es keine bessere Prävention und auch keine bessere Leistung.

Sehr geehrte Frau Fehr, aus meiner Sicht, streuen Sie Ihren Wählern Sand in die Augen.

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