Nationalbank legt Mindestkurs für Franken fest

Die SNB hat einen Mindestkurs für den Franken festgelegt - so soll der 1 Euro mindestestens 1.20 Franken kosten.
Dieser Entscheid hat natürlich sofort zu Folge, dass der Euro binnen wenigen Minuten um fast 10% gestiegen ist. Will man so die angeprangerten "Währungsgewinner" aus der Schusslinie holen? Oder hat man die Illusion, dass die SNB den Wechselkurs "festlegen" kann - unabhängig vom Gebahren der Wirtschaft oder der Staaten im Euro-Raum? Was, wenn die lieben Staaten - wie bisher - weiterhin massiv neue Staatsdefizite aufweisen?
Eine (unabhängige) Währung ist genau dazu da, solche Ungleichgewichte auszugleichen - warum haben wohl in früheren Jahren für gewisse Währungen teilweise massive Abwertungen erfolgen müssen (z.B. italienische Lire)?
Ein staatliche verordneter Wechselkurs mag zwar eine Weile lang für gewisse Kreise eine trügerische Sicherheit vorgaukeln - es ist aber zum wiederholten Male nur eine weitere "Zeitbombe".
Ich vermisse eine substanzielle Ehrlichkeit der SNB - nämlich indem sie klipp und klar sagt, was Sache ist (nämlich: der Franken-Kurs wird nicht primär in der Schweiz gemacht). Diese "Ankündigung" ist nur ein weitere Schritt in einem unsäglichen Theater. Es ist halt schon hart, wenn man sagen müsste: "Das haben wir nicht im Griff".
Die SNB hat sich der Politik gebeugt - und versucht, ein Gesicht zu wahren, das sie gar nicht kann. Schade! In dem Zusammenhang verlange ich eine unabhängige Nationalbank - vor allem unabhängig von der (opportunistischen) Politik. Nur so kann sie ihre Aufgabe wahrnehmen - auch ohne langfristig unwirksame Währungskoppelungen. Eigentlich wissen es diese Mandatsträger besser - wenn sie denn aus der (Währungs-)Geschichte ihre Lehren gezogen haben.

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