Post-Ghadhafi-Aera: Wer wirft da den ersten Stein? In Libyen beginnt eine neue Zeitrechnung. Und die Welt stellt sich auf die Post-Ghadhafi-Aera ein.

In Libyen beginnt eine neue Zeitrechnung. Und die Welt stellt sich auf die Post-Ghadhafi-Aera ein. Schon bringen sich alle wichtigen Staaten der Erde in Stellung. Denn es gilt, vom grossen Erdölvorkommen Libyens ein möglichst grosses Stück vom Kuchen zu ergattern.

Dass man zuvor jedoch mit dem wahnsinnigen Verbrecher Ghadhafi paktiert hatte um des Erdöls willen, spielt plötzlich keine Rolle mehr. Hat man sich doch zur rechten Zeit auf die Seite jener geschlagen, bei welchen es absehbar war, dass sie die neue Herrschaft übernehmen würden.

Interessant ist nur, dass gerade ein Staat wie die Schweiz, welcher es sich seinerzeit getraut hat, ein Mitglied des Ghadhafi-Clans vor Gericht zu stellen, in der Kritik steht, Helfershelfer Gaddaffis gewesen zu sein. Hätten doch Schweizer Unternehmen sein Bunkersystem geplant, „weshalb unsere Regierung vorsichtig sein solle, Kontakt mit dem neuen Libyen aufzubauen.“

Dass militärisches Know-how an eine solch totalitäre Diktatur weitergegeben wurde, ist nicht verzeihbar. Insgesamt jedoch völlig harmlos, gegenüber dem, was sich die anderen Grossmächte in den vergangenen zwei Jahrzehnten geleistet haben.

In der Tat war es vorab der französische Staatspräsident Sarkozy, welcher als erster die Rebellenführung in Bengasi als rechtmässige Regierung Libyens anerkannte und mit einer militärischen Intervention massgeblich half, das Ghadhafi-Regime zu beseitigen.

Ihm gebührt deshalb sicher Respekt, nahm er doch ein persönliches politisches Risiko in Kauf, welches kein anderer Machthaber bereit war, einzugehen. Nicht einmal die USA! Noch mehr: Wurde er doch für sein vielgescholtenes „überstürztes Handeln“ von den USA und Deutschland offen kritisiert.

Und dennoch steht auch sein Frankreich nicht mit einer reinen Weste da. Und Sarkozy gerade gar nicht.

Noch 2007 gab Sarkozy Ghadhafi in Paris einen pompösen Empfang, erlaubte ihm beim Élysée-Palastes sein prachtvolles Zelt aufzubauen und schloss mit ihm Waffen- und Nukleargeschäfte ab.

Die Mirage-Kampfflugzeuge, die in diesem Bürgerkrieg von Ghadhafi gegen seine eigene Bevölkerung und die französischen Lufttruppen eingesetzt wurden, waren unter anderem gerade jene Flugzeuge von diesem Geschäft.

Welch eine Ironie! Und Deutschland? Der europäische Wirtschaftsmotor war sich auch nicht zu schade, Maschinengewehre Libyen zu liefern, mit jenen die Bevölkerung in diesem Bürgerkrieg niedergestreckt wurden.

Von den wirtschaftlichen Verflechtungen der USA muss da schon gar nicht weiter gesprochen werden.

Angesichts dieser Transaktionen manifestiert sich die Schweiz als unbedeutende Fussnote. Wer will da also den ersten Stein werfen?

Hanspeter Bucher
Kantonsrat und
Nationalratskandidat

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