Der typische Durchschnittsschweizer

Letzthin wurde ich gefragt, was sind die Eigenschaften des typischen Schweizers aus Sicht der glp?
Hätten Sie diese vor vier Jahren gestellt, hätten ich wahlkampftechnisch zugeben müssen, dass die typische Durchschnittsschweizerin wohl aus Zürich oder St. Gallen gebürtig ist, möglicherweise wäre sie also Winterthurerin gewesen. Denn damals traten die Grünliberalen nur in diesen beiden Kantonen zu den Nationalratswahlen an. Heute ist dies anders, die glp tritt in 15 Kantonen und drei Sprachregionen mit insgesamt 200 Kandidierenden zur Wahl an. Daher ist es für uns Grünliberale je länger je wichtiger, den Puls des Volkes zu spüren und die Eigenheiten der Schweizerinnen und Schweizer zu kennen. Wir sind im Moment noch eine Nischenpartei und nutzen eine politische Marktlücke, die durch die andern Parteien nicht abgedeckt wird. Denn es gibt keine andere Partei, die wirtschaftliche Fragen mit ökologischem Denken nachhaltig verknüpft. Grössere Volksparteien versuchen teilweise krampfhaft, diese Lücke zu füllen, stehen sich dabei auf Grund ihrer langen und teilweise diametral entgegengesetzten Entwicklungsgeschichte selbst im Weg.
Aus Grünliberaler Sicht macht es keinen Sinn, nur mit Durchschnittswerten der Bevölkerung zu arbeiten. Denn sonst wäre der „typische Schweizer“ im Durchschnitt zu 50,8 Prozent weiblich und etwa 41 Jahre alt. Jede Frau hätte 1,48 Kinder, ein Haustier und Ende Monat würde jeder dieser Personen CHF 5823.- nach Hause bringen. Wenn wir nur von solchen Werten ausgingen, bräuchte es wahrscheinlich auch keine Politiker mehr oder zumindest nur noch den Durchschnittspolitiker, der per definitionem ein Widerspruch wäre. Deshalb kandidieren für die Grünliberalen verschiedenste Personen aus verschiedensten Branchen, Altersgruppen und fast allen Bezirken im Kanton Aargau. Zum Beispiel haben gerade ältere Bürger ganz andere Interessen und Bedürfnisse als unsere Jugend. Als sachpolitisch orientierte Partei ist es uns daher ein Anliegen, nachhaltige Lösungen für alle diese Gruppen anbieten zu können.

Dasselbe gilt für die Unternehmensgrösse: Ich bin mir bewusst, dass mindestens 80 Prozent der Schweizer Unternehmen KMUs sind, aber gleichzeitig etwa 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bei den restlichen 20 Prozent der Grossunternehmen arbeiten. Es fehlen Durchschnittswerte für die Unterschiede zwischen Stadt und Land, geschweige denn für unsere vier Sprachregionen.

Folglich definiert sich die „Schweiz des Durchschnitts“ gerade durch ihre Vielfalt und Eigenheiten – sie ist schliesslich eine multiperspektivische Willensnation. Diese Vielfalt führt dazu, dass in der Schweizer Politik - dank unserer Demokratie - die typischen Schweizer Kompromisse angestrebt werden können. Sie kann uns aber auch im Rahmen eines übertriebenen Föderalismus bremsen - oder positiv betrachtet die politische Sicherheit dauerhaft garantieren, da die besten Ideen immer in einem bunten Ideenpool entstehen, wie ihn die Kantone bilden. Es wäre für uns Grünliberale kaum vorstellbar, ausschliesslich von durchschnittlichen Schweizern und Schweizerinnen auszugehen. Wo wären wir dann hingekommen? Wäre dann die Schweizer Qualität konsequenterweise nicht auch durchschnittlich?
Ich als Grünliberaler meine: Die durchschnittliche Schweiz tritt mutig, innovativ, pünktlich, offen, vertrauensvoll und qualitativ auf höchstem Niveau auf – gegen innen und aussen. Die durchschnittliche Schweiz kann sich anpassen, ohne ihre eigenen Wurzeln und Werte zu verlieren. Die durchschnittliche Schweiz kennt ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. Die durchschnittliche Schweiz handelt nachhaltig sowohl im wirtschaftlichen, ökologischen als auch im sozialen Bereich - und ein Teil der durchschnittlichen Schweiz wird Kandidierende der Grünliberalen wählen. Weil diese Wählerinnen und Wähler davon überzeugt sind, dass wirtschaftliche Fragen mit ökologischem Denken verknüpft werden können, sollen und müssen - für eine nachhaltige zukunftsfähige Schweiz!

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