Die SVP und Ihre Frauen

Es war Mitte der 80er. Zum ersten Mal las ich über Christoph Blocher. Der Mann war mir von Anfang an unsympathisch. Wie er herzog über alleinerziehende Mütter nervte mich. Es war Abstimmungskampf und in seinem Rollenbild gehörte die Frau an den Herd. Ein selbstbestimmtes Leben und Patchwork-Familien waren ausserhalb seiner Vorstellung. Dass Frauen ihren eigenen Weg erfolgreich gehen - ausgeschlossen. Seine Partei die SVP war Hüterin des Patriarchats. Ironie der Geschichte, heute leitet eine seiner Töchtern die EMS und ist gleichzeitig auch noch erfolgreich Mutter. Für den Christoph Blocher von 1985 und seinen Freunden unvorstellbar.

Heute sehen wir in der SVP einige junge Frauen. Auf der einen Seite finde ich dies eine tolle Entwicklung. Nicht nur die Secondos aus Italien gehören heute zum selbstverständlichen Alltag, sogar die SVP hat sich modernisiert. Wenn man den Erfolg der Emanzipation messen will, da kann man ihn daran aufhängen.

Auf der anderen Seite möchte ich den Frauen der SVP zurufen, passt auf, ihr seid noch lange nicht akzeptiert. An den strategisch wichtigen Positionen findet man heute in der Partei nur eine einzige Frau als Vize-Präsidentin. Die SVP Herren haben es immer verstanden, ihre Macht gekonnt zu festigen. Man schaue sich nur die Nationalräte an. Die Generation 40-55 ist bei den SVP Herren absolut untervertreten. Da haben die alten Kämpfer dafür gesorgt, dass sie an der Spitze bleiben. Insbesondere in Zürich. Und so scheinen sie auch mit den Frauen umzugehen. Nadja Pieren Vizepräsidentin ist weit weg von einer echten "Gefahr".

Für das Folgende habe ich keine Beweise, sondern nur die Aussage eines Mitarbeiters aus dem Umfeld von Jasmin Hutter. Er meinte, dass sie ihr Mandant nach der Schwangerschaft gerne behalten hätte. Ob dies stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen. Was aber Fakt ist. Christoph Blocher oder ein anderes Parteimitglied hätte mit einem Satz im Blick dafür sorgen können, dass sie ihr Amt behalten hätte. "Die Jasmin ist gut, sie wird Baby und Nationalratsmandat unter einen Hut bringen. Wir wollen sie weiterhin in Bern haben." Das ist aber nicht passiert. Im entscheidenden Moment siegte das alte Frauenbild.

SVP Frauen passt auf, dass ihr nicht nur Aushängeschilder seid. Die SVP-Frau, die ihr vom Parlament demokratisch legitimiertes Amt erhielt, wurde als Verräterin gebrandmarkt. Sie beanspruchte ihr Recht und wurde von Patriarchaten aus der Partei geworfen.

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