Es war ein genialer Werbeschachzug: mit grossen Inseraten in den Sonntagszeitungen verkündete Coop, es werde einige Produkte aus den Regalen nehmen, da deren ausländische Produzenten Währungsvorteile nicht an Coop weitergeben.

Keine Nivea mehr, keine Milchschnitte mehr bei Coop (dafür jetzt billiger bei der Migros).

Und tatsächlich, die Rechnung ging auf. Am Montag waren die Zeitungen voll, die Kommentare in den Online-Medien positiv.

Allerdings: geht hier nicht der Blick auf’s Wesentliche verloren? Ich konnte bereits letzte Woche bei Coop eine andere, billigere Handcreme als Nivea einkaufen. Coop hat Eigenmarken. Wenn trotzdem Nivea in meinem Wägeli landete, dann war dies mein freier Entscheid als Konsument. Nivea ist kein Monopolgut, es kann locker substituiert werden. Durch den Schritt von Coop wird nicht ein einziger, finanziell angespannter Schweizer Haushalt, nicht eine einzige bedürftige Person entlastet. Denn was in diesem Land plagt, das ist nicht der Nivea-Preis. Sondern es sind die Versicherungsprämien, insbesondere die Krankenkassen. Es ist die Angst um den Arbeitsplatz, dies insbesondere in der Exportwirtschaft wegen des starken Frankens. Und hier passiert zu wenig.

Während im Herbst 2008 der Bundesrat unter Umgehung von Parlament und Stimmbürger mit einer 60-Milliarden-Aktion über Nacht die UBS gerettet hat waren nun, da in der realen Wirtschaft tausende von Arbeitsplätzen bedroht sind, die in Bundesbern relativ still. Während Monaten wurde uns verkündet, man müsse nichts tun. Man wolle prüfen, beobachten, beobachten und abwägen.

Dieses Verhalten hat nicht die Grossen getroffen. Eine Novartis hat ihre Währungsrisiken abgesichert. Es trifft die kleinen. Die „Meier, Müller und Söhne Maschinenfabrik“. Die nicht gross genug ist, um sich eine Finanzabteilung zu leisten, die solche Risiken behandeln. Die litten brutal unter der aktuellen Situation.

Für mich ist das irgendwie typisch. Die UBS retten über Nacht, für die produzierende Wirtschaft, für die KMU: keine – oder spät – Zeit!

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