Ein Gedanke für die Linksliberalen

Im normalen Leben habe ich viel mit anderen Unternehmern zu tun und da tauscht man sich oft untereinander aus. Über Mitarbeiter..., Unternehmertum, ein wenig über Politik und das Leben im Allgemeinen. In der Denkweise ähneln wir uns oft und so ist Politnetz eine spannende Erfahrung für mich. Mit Jungsozialisten, Gewerkschaftern und linken Politikern habe ich es nämlich selten zu tun. Hier erlebe ich sie 1:1.

Herr Gsell inspirierte mich mit einer Antwort zu diesem Beitrag. Er antwortete mir in einem Kommentar:

So ähnlich wir in gesellschaftsliberalen Einstellungen sind,
so unterschiedlich sind wir bei der Wirtschaft. Wohin uns die
unkontrollierten freien Märkte gebracht haben, zeigen die
letzten zwei drei Jahre gut.

Es ist richtig. Das freie Unternehmertum ist in einer schwierigen Lage. Die Finanzkrise steckt den Menschen in den Knochen und die Berichte über ausbeuterische Machenschaften in fremden Ländern, führen dazu, dass wir Unternehmen alle gleichgesetzt werden. Ob es sich um wenige Unternehmen handelt, die den Ruf der Mehrheit beschädigen oder ob die Wirtschaft im Allgemeinen so handelt, wird nicht mehr gefragt. Der Millionen-Boni-Banker ist Sinnbild für alle Chefs. Ob dies der Realität entspricht oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Dieses Blatt schaut die Linke gar nicht mehr an. Das kritische Denken gegenüber der eigenen Meinung, scheint mir äusserst gering zu sein. Ein wenig schleicht sich bei mir das Gefühl ein, nachdem "wir" den Kommunismus besiegten und triumphierten, triumphiert jetzt die Linke über die Niederlage des Kapitalismus.

Richtig ist, wir Unternehmer müssen uns ernsthaft überlegen, wie wir unser ramponiertes Image korrigieren. Nicht alleine, weil wir gut dastehen wollen, sondern weil wir nicht möchten, dass uns zu starke Regeln auferlegt werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass damit Wohlstand massiv vernichtet wird. Gleichzeitig halten wir viele Anschuldigungen für ungerechtfertigt. In der heutigen Wirtschaft können wir uns ein Unterdrücken der Mitarbeiter gar nicht mehr leisten. Diese Zeiten sind - richtigerweise - endgültig vorbei. In einer Wissensgesellschaft sind wir nur produktiv, wenn unsere Mitarbeiter mit Herzblut ihre Arbeitsleistung einbringen.

Gemeinsam erarbeiteten wir den heutigen Standard

Herr Gsell meinte

Gut sehen wo uns der unregulierte Markt führt, kann man auch,
wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft. Im 18./19.
Jahrhundert gab es kaum Regelungen. Damals mussten die
Arbeiter zum Teil bis 14 Stunden in sklavenähnlichen Verhältnissen
arbeiten. Kinderarbeit war ebenfalls üblich.

Dabei vergisst Herr Gsell, dass wir gemeinsam - Unternehmer und Arbeitnehmer - uns von Fürsten und Königen befreiten. Einst waren meine Grosseltern Pächter. Mit Fleiss und Einsatz erarbeiteten sie sich ihren eigenen Hof. Ihre drei Kinder wurden später selbstständig und in meiner Generation führen ebenfalls drei ihre eigene Firma. 100 Jahre vorher wäre dies unmöglich gewesen. Wir waren von niederem Stand. Freies Unternehmertum gab es in dieser Form nicht.

Auch wir Wirtschaftsliberale mussten uns das Recht erkämpfen, freie Unternehmen zu gründen. Wir mussten uns für freie Märkte einsetzen und wir mussten uns von der Willkür befreien und saubere Regelungen per Gesetz erhalten. Egal wie wir es drehen und wenden. Den heutigen Wohlstand erreichten wir gemeinsam.

Abschied von Vereinfachungen

Die Linke beansprucht gerne für sich, dass sie reflektierter ist. Das sehe ich in vielen Dingen nicht. Der freie Markt ist schuld - an allem. Dass aber, die von mir geschätzte Clinton-Regierung durch mehrere politische Vorstösse, die Banken erst zu einer lockeren Kreditvergabe drängte, wird heute gerne übersehen. Dass die vielen Vorschriften und Einsprachmöglichkeiten einen erheblichen Teil am Wohnungsmangel in Zürich beitragen, wird ignoriert. Und das Gewerkschaftsforderungen eine Firma wie GM durchaus in die Insolvenz treiben können, schweigt man tot.

Der Ruf nach mehr Regeln und mehr Staat ist heute verlockend. Aber ist er sinnvoll?
Ich bin überzeugt, je mehr Freiheit Sie den Unternehmen lassen, desto kreativer werden Sie, desto grösser die Vielfalt und desto höher der Nutzen für die Gesellschaft. Dagegen killen zu viele Regeln und Verstaatlichung wirtschaftliche Stärke. Wenn Sie den Wettbewerb einschränken, überbordende Regeln aufstellen und alles kontrollieren wollen, fallen die Gewinne und in der Folge auch die Löhne. Das kostet die Arbeitnehmer mehr als freie Märkte.

Richtig, wir können Ihnen nicht garantieren, dass alles gut läuft. Freiheit bedeutet, auch einmal einen "Abschiffer". Wir verlangen von Menschen auch nicht, dass sie alle perfekt funktionieren. Wir Gesellschaftsliberale verstehen, dass Menschen unterschiedlich sind und manchmal auch Fehler machen. So tun es auch Unternehmen.

Das freie Unternehmertum ist nicht ihr Feind. Wir sind gemeinsam mit Ihnen die Lösung. Machen Sie einen mentalen Schritt und reden Sie mit uns. Behaupten Sie nicht, sondern fragen Sie auch einmal, warum wir etwas so und nicht anders sehen. Jeder Mensch hat stärken und schwächen. Weiss etwas besser und etwas weniger gut. Wir verstehen etwas vom Unternehmertum, weil wir täglich damit arbeiten. Wir sehen den Unterschied zwischen einer Verwaltung und einem privaten Unternehmen. Wir wissen, welche Regelungen zu Monopolen führen und wer wo abgezockt wird. Dies wissen wir nicht aus der Theorie, sondern aus der täglichen Arbeit.

Nutzen Sie unsere Erfahrung, treten Sie mit uns in den Dialog.

6 Kommentare


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