SVP schwächelt mit laschem Initiativplakat

Aus dem Neuromarketing wissen wir, dass Bilder, Töne und Gefühle schneller, besser und länger wirken, als langatmige Argumentationsketten. Die SVP wusste in der Vergangenheit hervorragend damit zu spielen. Sei dies nun, dass sie abwertende Wörter für Ihre Gegner erfand oder mit gut gewählten Sujets ihre Wähler verführten.

Das schwarze Schäfchen Plakat ist ein hervorragendes Beispiel. Ohne es zu sagen, wusste jeder Schweizer beim Anblick, yep, die Osteuropäer gehören nicht hierher. Jugos raus. Auch das Minarettplakat war ausgezeichnet. Man fühlte sich beim Anblick umgehend in den Kalten Krieg zurück versetzt. Statt Russen waren es dieses Mal Islamisten, gegen die wir unsere Freiheit verteidigen müssen.

Beim Masseneinwanderungsplakat hat die SVP-Werbeagentur versagt
http://bit.ly/mXzMTT

Welche Volksgruppe wandert aktuell in "Massen" ein? Die Deutschen. Das Initiativplakat schöpft keinen Teil der möglichen Symbolkraft aus. Die Männer hätten nie von Nord-Nord-West kommen dürfen, sondern von Nord-Nord-Ost, damit klar ist, um welche Volksgruppe es sich handelt. Und dann schauen Sie sich deren Gang an. Das ist schon fast ein Schlendern. Vor diesen Leuten sollen wir Angst haben? Das erinnert uns eher daran, dass wir Schweizer die meisten binationalen Ehen mit Deutschen schliessen.

Ein richtiges SVP-Plakat hätte die schwarzen Leute zackig im Stechschritt einmarschieren lassen. Damit wäre die Symbolik auf SVP-Niveau. Aber was hier kommt, ist ein lascher Abklatsch.

Ein Gedanke

Vielleicht liegt es daran, dass sich die SVP all die Jahre ihre Plakate bei einem Deutschen machen liess. Womöglich fällt es ihm schwerer, gegen die eigenen Landsleute zu hetzen. Oder die SVP hatte Angst davor, dass wir endlich kapieren, dass die SVP seit Jahren unseren inneren Frieden attackiert. Dass sie für ein paar Wählerprozent bereit ist, ein friedliches und glückliches Land mit ihren Säurerezepten auseinanderzubringen.

Die SVP profitierte Jahre von der Schwäche der FDP. Wir hatten diesem Gekeife nie etwas entgegengesetzt. Wie wäre es mit jetzt? Es ist zu erwarten, dass die SVP einige Schlappen einfährt. Blocher scheitert vermutlich als Ständerat. Toni Brunner ebenfalls. Die 30% Wähleranteil sind eine Utopie. Die SVP darf sich schon als Sieger sehen, wenn sie ihr altes Resultat wiederholen kann.

Machtergreifung ist ein aggressiver Akt. Die SVP hat sie uns der FDP weggerissen. Wir liessen es zu, dass eine nationalkonservative Partei die Deutungshoheit für eine Vielzahl von Themen erhält. Sie wollen aus einem offenen Land, ein Land mit mentalen Grenzen machen. Sie wollen aus einer ordentlichen Demokratie, eine Pöbeldemokratie errichten. Sie wollen Stillstand statt Fortschritt. Sie wollen eine Schweiz von 1942 statt einer modernen Schweiz.

Zeit, dass wir anfangen dies zu ändern.

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