Gedanken zum 1. August

(Auszug aus einem längeren offenen Brief des Kollektivs unbequemer Menschen)

Wer ist überhaupt SchweizerIn? Meiner Meinung nach ist der 1. August nicht nur für Menschen, die ihre schweizer Nationalzugehörigkeit bei der Geburt erworben haben, sondern für alle Menschen, die in der Schweiz zuhause sind. Ich mache nämlich keinen Unterschied zwischen SchweizerInnen und AusländerInnen in der Schweiz. Ein Mensch ist ein Mensch, egal welche Hautfarbe, Nationalität, Gesinnung oder Religion er oder sie hat. Die heutige Politik spricht all diesen Menschen aber jeglichen Anspruch auf politische Teilnahme und ein Leben in Würde und Legalität ab. Das Recht, Volksinitiativen zu erstellen, wird missbraucht, um rassistische und zutiefst menschenverachtende Initiativen zu starten. Die Feindbilder sind eine leere Hülle, zeitlich begrenzt und austauschbar: Gestern waren es die Juden, heute die Islamisten, Morgen wird wieder jemand Anderes am Pranger stehen.
Ich bin auch Schweizerin und stolz, mit meinen legalen, asylsuchenden und papierlosen MitbürgerInnen und MitbewohnerInnen etwas vorwärts zu bringen in diesem Land. Den Missbrauch des Schweizerkreuzes für rassistische und diskriminierende Kampagnen verurteile ich. Das Schweizerkreuz ist das Zeichen der Humanitären Tradition der Schweiz in der Welt und so soll es auch bleiben. Ich will keine Schweiz, in der jeder nur für sich schaut, ich will eine solidarische Schweiz!
Auch die Konzeption von „Masseneinwanderung“ sollte grundsätzlich überdacht werden. Weshalb kommen Menschen in die Schweiz? Weshalb sollten sie hierher kommen, für ein Leben in Angst, in Diskriminierung, ein Leben im Untergrund? Findet eine Masseneinwanderung überhaupt statt? Das Kapital hat in den letzten Jahren verheerende Schäden angerichtet. Durch Rohstoffspekulation verhungern tausende Menschen, andere dürfen jahrelang die staatlichen Schuldenberge abbezahlen. Sollen wir diese notsuchenden Menschen pauschal als „Wirtschaftsflüchtlinge“ verurteilen und ihnen den Zugang zur Schweiz so einfach versperren? Nicht alle Länder sind politisch stabil, und auch im 21. Jahrhundert gibt es politische Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen und dies auch sollen dürfen. Die staatlichen Restriktionen hindern MigrantInnen übrigens nicht, in die Schweiz zu kommen. Aber sie werden automatisch illegalisiert und sind politischer Willkür ausgesetzt. Das muss ein Ende haben!
Wer zu uns als MigrantIn kommt und Nichts besitzt, holt sich, was die reichen europäischen Staaten ihm und ihr weggenommen haben. Wer flieht, fürchtet Waffen, die unter anderem aus der Schweiz in fremde Länder exportiert wurden.

Deswegen wünschen ich Ihnen als SchweizerInnen und solche, die es werden wollen und als Menschen die hier wohnen und leben einen frohen, reflektierten Nationalfeiertag!

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