Unternehmensrisken nicht einseitig auf Arbeitnehmer abwälzen

Es ist Ferienzeit und viele freuen sich über den starken Franken, weil er verhältnismässig günstige Ferien im Ausland ermöglicht. Für viele Arbeitnehmende aber bedeutet der starke Franken eine massive Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Die Lonza hat als erster Betrieb die Wochenarbeitszeit der Belegschaft erhöht, um die tiefere Marge ausgleichen zu können. Ihr Vorgehen hat Schule gemacht: Zahlreiche Unternehmen, auch solche die in Zug ansässig sind, haben es Lonza nachgemacht.

«Zwei Stunden mehr pro Woche sind zumutbar», liess Gewerbeverbanddirekor Bigler unlängst verlauten. Rechnet man hoch, was dies aufs Jahr bedeutet, dann merkt man schnell, dass zwei Wochenstunden mehr an der Grenze des Zumutbaren sind. Oder würden Sie gerne zehn Tage mehr im Jahr arbeiten oder auf rund zwei Wochen Ferien verzichten? Reden wir Klartext: Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich ist erstens nichts anderes als eine drastische Lohnkürzung und zweitens eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

Ich verstehe die Not der Exportunternehmen und begreife, dass sie Massnahmen ergreifen müssen. Auch ich möchte keinesfalls, dass die Unternehmen ins Ausland abwandern und damit Stellen verloren gehen. Doch wehre ich mich dagegen, dass die Unternehmensrisiken einmal mehr einseitig auf die Arbeitnehmenden und die Gesellschaft abgewälzt werden. Deshalb fordere ich, dass auch die Mitglieder der Geschäftsleitung und von Verwaltungsräten ihren Beitrag an die Senkung der Produktionskosten leisten und ebenfalls Lohnreduktionen in Kauf nehmen. Und ich meine, dass die Arbeitnehmenden keinesfalls nur die Risiken, sondern künftig auch die Chancen mittragen sollen. Von denjenigen Unternehmen, die nun die Arbeitsbedingungen verschlechtern, erwarte ich, dass sie die Arbeitnehmenden bei guter Entwicklung auch am Gewinn teilhaben lassen und dass sie die nun geleistete Überzeit gutschreiben und später entschädigen sollen.

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